VW Aktie kaufen? Analyse & Bewertung aktuell

VW Aktie kaufen? Analyse & Bewertung aktuell

VW steckt immer noch in der durch den Abgasskandal verursachten Krise. Der Konzern, zudem inzwischen zahlreiche unterschiedliche Marken und auch Lkw-Hersteller gehören, hat sich jedoch deutlich berappelt und kann wieder Gewinne verzeichnen. Für Privatanleger bleibt deswegen die entscheidende Frage: Wird Volkswagen und somit auch die VW-Aktie zu alter Stärke finden?

Die Aktie von VW in der Übersicht

Die VW-Aktie wird unter der Wertpapierkennnummer 766403 und der ISIN DE0007664039 and der Frankfurter, New Yorker, Londoner und Luxemburger Börse gehandelt. Das dazugehörige deutsche Symbol ist VOW3. Die Aktie ist in den folgenden Indizes enthalten:

  • DAX 30
  • EURO STOXX 50
  • Prime All Share
  • Late DAX, HADAX, CDAX, DivDAX, X-DAX, L&S DAX Indikation
  • BX Swiss – Aktien EMEA – Europa und Afrika
  • DAXglobal Sarasin Sustainability Germany Index
  • NISAX20

Die Volkswagen-Aktie gehört zu den Gründungsmitgliedern des DAX und ist folglich seit dem 1. Kuli 1988 Bestandteil des deutschen Leitindex. Momentan beträgt die Gewichtung 2,57 Prozent, sodass es sich um einen durchschnittlich wichtigen DAX-Wert handelt. Seit 2009 werden die VW-Vorzugsaktien im DAX aufgeführt, da der Streubesitz der Stammaktien durch eine Aufstockung von Katar unter zehn Prozent gefallen war.

Die Marktkapitalisierung des Konzerns beträgt derzeit rund 68,59 Milliarden Euro, die sich durch mehr als 206 Millionen VW-Vorzugsaktien zusammensetzen. Darüber hinaus existieren 295 Millionen Stammaktien. Die Zusammensetzung der Aktionärsstruktur sieht derzeit folgendermaßen aus:

  • 30,8 Prozent: Porsche Automobil Holding SE
  • 14,6 Prozent: Qatar Holding LLC
  • 11,8 Prozent: Land Niedersachsen
  • 22,5 Prozent: institutionelle Anleger Ausland
  • 2,3 Prozent: institutionelle Anleger Inland
  • 18 Prozent: Privataktionäre/Weitere

Dies führt zu einer Stimmrechtsverteilung von 52,2 Prozent für Porsche.

Für das Jahr 2016 zahlte der Konzern eine Dividende in Höhe von 2,06 Euro je Aktei, was einer Dividendenrendite von 1,53 Euro und einer deutlichen Kürzung im Vergleich zum Vorjahr entsprach.

Die VW Aktie

Die VW Aktie

 

Fakten und Zahlen zum Autokonzern

Die Volkswagen-Aktiengesellschaft wurde am 28. Mai 1937 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Wolfsburg. Der Konzern untersteht derzeit dem Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller, der im September 2015 im Rahmen des Abgasskandals Martin Winterkorn ersetze. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Oktober 2015 Hans Dieter Pötsch.

Das Unternehmen konnte 2016 einen Umsatz von 217 Milliarden Euro erzielen und einen Gewinn von 5,1 Milliarden Euro verzeichnen. Der Konzern beschäftigte zum Jahresende mehr als 626.700 Mitarbeiter.

Insgesamt kann der Konzern auf fast 200 Produktionsstandorte zurückgreifen, davon 28 in Deutschland. Allein in Europa konnte er 2015 mehr als vier Millionen Fahrzeuge ausliefern. Insgesamt waren es mehr als 9,3 Millionen. Der Konzern nutzt aktuell die folgenden Automarken:

  • Volkswagen Pkw
  • Audi
  • SKODA
  • SEAT
  • Bentley
  • Lamborghini
  • Porsche
  • Bugatti
  • Ducati
  • Volkswagen Nutzfahrzeuge
  • Scania
  • MAN

Das Volkswagenwerk in Wolfsburg nimmt eine Fläche ein, die vergleichbar mit der Größe Gibraltars ist.

So präsentiert sich VW auf seiner Webseite

So präsentiert sich VW auf seiner Webseite

VW: Wurde der Konzern wirklich von Hitler gegründet?

Die Geschichte von Volkswagen geht tatsächlich unmittelbar auf die Forderung Adolf Hitlers zurück, einen Wagen für die breite Bevölkerung bauen zu lassen. Es sollte sich um ein „autobahnfestes“, familiengeeignetes Auto handeln, dass sparsam im Verbrauch ist, 100 km/h dauerhaft halten kann und unter 1.000 Reichsmark kostete. Ferdinand Porsche erhielt den Auftrag, einen Prototyp zu entwickeln. Vor allem der geringe Preis stellte die Autohersteller vor eine besondere Herausforderung.

Hitler selbst beauftrage sichtliche die Deutsche Arbeitsfront mit dem Bau einer Automobilfabrik, die die größte in Europa sein und rationelle Fertigungsmethoden verwirklichen können sollte. Möglich wurde dies auch, da die Produktionsanlagen nach Ferdinand Porsches Vorstellungen errichtet wurden. Um den KdF-Wagen zu produzieren, wurde unter der DAF-Leitung die Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH gegründet, die allerdings schon 1938 in Volkswagenwerk G.m.b.H. umbenannt wurde. Allerdings kam es nie zu einer planmäßigen Produktion des KdF-Wagens, stattdessen wurden Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht hergestellt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt. Dazu kamen auch Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zum Einsatz.

Ab 1945 wurde unter der britischen Militärregierung der erste Käfer in Serie produziert. Es war jedoch lange unklar, ob das Unternehmen Bestand haben werde und die Käfer-Produktion überhaupt fortgesetzt werden würde. Sämtliche Kaufinteressenten nahmen allerdings unter anderem aufgrund der technischen Bewertung des Käfers Abstand, da dieser bei der britischen Regierung als unzureichend verrufen war. Ab 1949 übergab die Militärregierung das Unternehmen an Niedersachsen und die Volkswagenwerk G.m.b.H war geboren. Schon 1955 konnte die Fertigstellung des einmillionsten Volkswagen gefeiert werden. Das Werk wurde zur größten Automobilfabrik der Welt.

1960 wurde das Unternehmen privatisiert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1964 konnte VW die Auto Union GmbH von Daimler-Benz übernehmen und erwarb damit auch seine zweiten wichtigen Markennamen Audi. Der Konzern geriet in den 1970ern in eine Schieflage, die er auch aufgrund der Übernahme der Auto Union überwinden konnte. Der Konzern fertigte nach einem Baukastenprinzip. Der Konzern wurde international immer bekannter und handelte dabei auch mit der DDR.

In den 1980ern und 90ern folgten einige Übernahmen, unter anderem Seat und Skoda. Carl. H. Han baute VW endgültig zum Global Player aus und wurde auch in China tätig. 1999 brachte VW mit dem Lupo 3L TDI das erste Dreiliterauto auf den Markt.

In den 2000ern erlitt der Konzern eine Unternehmenskrise, durch hohe Produktionskosten und geringeren Absätzen. 2005 wurde Porsche größter Aktionär des Konzerns und der Anteil der Aktien stieg bis 2009 auf mehr als 50 Prozent. Beide Unternehmen planten zudem einen integrierten Automobilkonzern, mussten diese Pläne jedoch aufgrund von Finanzierungsplänen ad acta legen. 2011 erwarb der Konzern die Mehrheit an MAN, ein Jahr später Ducati.

VW immer noch in der Krise?

Volkswagen und die VW-Aktie sind nach wie vor wegen des Abgasskandals unter Druck. Dies macht sich allerdings nur teilweise an den Geschäftszahlen des Konzerns bemerkbar. So hat VW 2016 ein Umsatzplus von 1,86 Prozent auf 217,2 Milliarden Euro verzeichnen können. Der Gewinn ist jedoch nach wie vor nicht auf dem alten Niveau. Nachdem der Konzern 2016 sogar einen Verlust nach Steuern in Höhe von knapp 1,6 Milliarden Euro hinnehmen musste. Reichte es 2016 wieder für einen Gewinn in Höhe von gut 5,1 Milliarden Euro. Im Vergleich vor dem Abgasskandal ist dies jedoch weniger als die Hälfte.

Um den Konzern wieder in die Erfolgsspur zu bringen, hat sich die Führungsetage die „Strategie Together 2025“ ins Leben gerufen. Ziel ist unter anderem, weniger Hierarchie und mehr Selbstkritik und Transparenz zu etablieren. Teil der geplanten Maßnahmen ist allerdings auch eines der größten Sparprogramme mit der Streichung von 53.000 Stellen. Dies soll allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen durchgeführt werden. Der Konzern hätte dabei ohnehin aufgrund neuer Auflagen und recht kostenintensiver Struktur deutliche Korrekturen durchführen müssen. Wie die meisten deutschen Autokonzerne läuft auch VW in Gefahr, die CO2-Ziele der EU zu verfehlen.

Durch „Dieselgate“ fehlen hier jedoch finanzielle Freiräume. Immerhin hat der Konzern 2015 einen Rekordverlust hinnehmen müssen und alleine im ersten US-Verlgeich Kosten in Höhe von 15 Milliarden Euro tragen müssen. VW-Markenchef Herbert Diess geht davon aus, dass der geplante Umbau insgesamt rund zwei Autogenerationen – also in etwa 14 Jahre – benötigen wird. Das Unternehmen wird sich dabei verstärkt auf Elektromotoren konzentrieren.

VW Truck & Bus könnten unterdessen mit den Marken MAN und Scania durchaus als Lichtblicke gelten. Der Umsatz stieg hier um vier Prozent, der Betriebsgewinn legte ebenfalls zu. Beide Unternehmen sollen in Zukunft durch Synergieeffekte zu den profitabelsten LKW-Herstellern der Welt zählen und unter anderem Achsen und Motoren gemeinsam entwickeln. Dabei ist VW jetzt bereits profitabler als das Lastwagengeschäft von Daimler, auch wenn die Stuttgarter deutlich mehr Umsatz erzielen können.

Eine Investition soll auch eine entsprechende Rendite bringen.

Eine Investition soll auch eine entsprechende Rendite bringen.

Prognose zur Aktienentwicklung: Kaufen, Verkaufen oder Halten der VW-Aktie?

Derzeit betrachten die meisten Analysten die VW-Aktie wieder deutlich positiver als noch vor einem Jahr, auch wenn nach wie vor viele Prognosen nicht vorbehaltlos zum Kauf raten. Von aktuell 26 Analysen empfehlen 10 den Kauf, vier den Verkauf und ein Dutzend das Halten der Volkswagen-Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt dabei bei 145 Euro und somit mehr als 11 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Analysehaus Einschätzung Kursziel
Norddeutsche Landesbank halten 127 Euro
Commerzbank AG halten 137 Euro
Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG verkaufen 100 Euro
Bernstein Research halten 150 Euro
Barclays Capital kaufen 174 Euro
Kepler Cheuvreux kaufen 167 Euro
BNP PARIBAS kaufen 155 Euro
Goldman Sachs Group Inc. kaufen 197 Euro
JP Morgan Chase & Co. kaufen 197 Euro
HSBC kaufen 163 Euro

 

Eine Fundamentalanalyse lässt sich derzeit natürlich nur mit sehr eingeschränkter Aussagekraft durchführen. Die Aktie von Volkswagen gilt allerdings derzeit bei theScreener.com als leicht unterbewertet, grundsätzlich weisen die meisten Indikatoren immer noch auf die problematische Ausnahmesituation hin und sind nur bedingt aussagekräftig.

VW ist krisenerfahren

VW muss derzeit bedeutende Image-Einbußen verkraften. Der Abgasskandal scheint auch eineinhalb Jahre nach Beginn noch nicht überwunden.

Skandale sind für VW allerdings kein Neuland. Erst 2005 musste sich der VW-Konzern einer großen Bestechungsaffäre stellen. Mitglieder des Betriebsrates sind demnach von der Firmenleitung mit Zahlungen, Reisen und Dienstleistungen von Prostituierten bestochen wurden.

Und auch von einer weiteren Entwicklung droht Gefahr für Image und Finanzen: Seit Juli 2016 ermittelt das Bundeskartellamt wegen Preisabsprachen unter anderem auch Volkswagen. Der Konzern soll mit fünf anderen Unternehmen ein Stahlkartell gebildet haben. VW gab dabei an, mit den Behörden kooperieren zu wollen. MAN war als Tochterunternehmen an der Aufdeckung beteiligt und kann so möglicherweise einer Strafe entgehen. Scania soll jedoch ebenfalls betroffen sein.

Sind echte Gewinne möglich?

Sind echte Gewinne möglich?

Ist die Aktie von Volkswagen ein Dividendenträger?

Volkswagen zahlte 2016 eine Dividende von 2,06 Euro je VW-Aktie aus, was einer Dividendenrendite von 1,54 Prozent entsprach. Damit konnte der Konzern die Aktionäre jedoch nur bedingt wieder versöhnen, nachdem die Dividendenrendite im Vorjahr nur 0,13 Euro betragen hatte. Der Konzern war jedoch lange Zeit Garant für hohe Dividenden. Von 2000 bis 2014 hat VW eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,2 Prozent jährlich erreicht. Nur in drei Jahren sank sie dabei unter zwei Prozent. Dementsprechend ist die Volkswagen Aktie natürlich dafür bekannt, ein hervorragender Dividendenträger zu sein und sich für jede Dividendenstrategie gut zu eignen. Derzeitig ist dies jedoch aufgrund der Krise nur bedingt der Fall.

Verlust des Markenwerts

Der Wert der Marke VW wird von verschiedenen Journalisten teils sehr unterschiedlich eingeschätzt. Interbrand beispielsweise geht davon aus, dass der Konzern im Vergleich zum Vorjahr nur um neun Prozent verloren hat und 2016 auf 11,436 Milliarden US-Dollar kommt. Dies ist Platz 40 unter allen Marken.

Millward and Brown ermittelten 2015 einen Markenwert von 9,283 Milliarden US-Dollar, was nicht für die Top100 der weltweiten Marken reichte, jedoch in der Auto-Branche Platz 8 bedeutet. 2016 hat der Konzern jedoch soviel Markenwert verloren, dass er auch in diesem Bereich nicht mehr thematisiert wird.

Der Konzern musst durch „Dieselgate“ also fraglos auch im Bereich Image und Markenwert starke Verluste hinnehmen. Dennoch handelt es sich um eine der erfolgreichsten und bekanntesten Marken der Welt. VW muss jedoch in der Folge daran arbeiten, das Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

Fazit: VW-Aktie könnte eine Chance sein

VW steckt in der Krise. Zugleich ist der Weg für ein Widererstarken geebnet: Der Konzern hat einen Großteil der Forderungen aus dem Abgasskandal beglichen und kann mit einem neuen Vorstand zuversichtlich in die Zukunft blicken, falls die notwendigen Reformen durchgesetzt werden. Dies sieht auch die Mehrheit der Analysten so. Die meisten raten inzwischen wieder zum Kauf. Bei der VW-Aktie könnte sich die alte Börsenweisheit bestätigen, dass Aktionäre Wertpapiere am Besten in Krisenzeiten kaufen. Der Konzern könnte den Abgasskandal schon bald wieder vergessen machen und durch neue Kräfte und Innovationen wieder zur alten Stärke finden.

Dann erwartet Anleger eine klassische Dividenden-Aktie mit traditionell stabilen und sinnvollen Kennzahlen. Wie in der gesamten Branche steht auch VW vor der Herausforderung, Emissionsvorgaben einzuhalten. Sollte dem Konzern dies gelingen, indem er ausreichend in Forschung und Weiterentwicklung moderner Technologien investiert, sollten auch bald die Imageschäden der Abgasaffäre überwunden sein.

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