Scalable Capital Erfahrungen – Test und Bewertung

Scalable Capital ist ein weiterer Anbieter für Robo-Advisor. Das Besondere ist jedoch, dass es sich um einen lizensierten Vermögensverwalter mit Kundenmandat handelt. Das Unternehmen vermittelt also nicht nur die Produkte einer „echten“ Bank, sondern managet das Kundenvermögen selbst.

Welches Angebot bietet Scalable Capital?

Scalable Capital bietet seinen Kunden die Möglichkeit, per Robo-Advisor kostengünstig Geld anzulegen. Das Unternehmen entwickelt und verwaltet also eine bestimmte Anzahl an Portfolios, auf die die Kunden unter Rücksichtnahme ihrer Risikobereitschaft, Kenntnisse des Finanzmarktes und finanziellen Situation und Ziele aufgeteilt werden. Derzeit stehen 23 unterschiedliche Portfolios bereit. Sie orientieren sich an der Kennzahl Value-at-Risk. Wer beispielsweise das risikobereiteste Portfolio 25 % VaR wählt, legt damit fest, dass 25 % Jahresverlust mit 95 %-iger Wahrscheinlichkeit nicht überschritten werden. Auf dieser Grundlage teilt das Unternehmen die Geldanlage dann auf verschiedene Assets mit jeweils passender Gewichtung auf.

Dabei stehen die folgenden Anlageklassen zur Verfügung:

  • Staatsanleihen
  • Besicherte Anleihen
  • Unternehmensanleihen
  • Aktien
  • Immobilien
  • Rohstoffe

Als Benchmark gelten jeweils in unterschiedlichen Gewichtungen, die sich an der Risikoklasse orientieren, der Euro Tagesgeld und der MSCI World ETF.

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Wie gut ist der Value-at-Risk-Ansatz?

Grundsätzlich ist es eine interessante Strategie, vom Value-at-Risk-Ansatz ausgehend die Anlagestrategie zu bestimmen. Sie ermöglicht es dem Unternehmen, deutlich flexibler auf dem Markt zu reagieren, als dies für viele andere Robo-Advisor möglich ist. So ist es beispielsweise so, dass eine geringe Volatilität ein größeres Verhältnis an Aktien im Portfolio ermöglichen würde, ohne dass das Risiko zunehmen würde. Damit wäre Scalable Capital deutlich flexibler als andere Anbieter, die in ihren Portfolios einfach nur die Aufteilung nach Aktien und Anleihen festlegen. Das Unternehmen verfolgt also ein dynamisches Risikomanagement anstatt einer reinen Asset-Allokation.

Ein Problem hierbei ist allerdings der Umstand, dass die Volatilität zwar häufig als Risikomaß genommen wird, sie in dieser Funktion jedoch bedeutende Mängel hat. Sie sagt zum Beispiel nichts darüber aus, wie weit ein Kurs nach oben und wie weit nach unten er abweicht. Außerdem „hinkt“ die Kennzahl zwangsweise hinterher. Scalable Capital gibt jedoch an, dass automatisch eine risikomindernde Portfolioumschichtung stattfindet, sobald bestimmte Schwellen dies nahelegen.

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Scalable Capital setzt auf globale ETFs

Allerdings vermittelt die Kennzahl in der Form, in der Scalable Capital sie einsetzt, unter Umständen ein falsches Gefühl von Sicherheit. Nur weil mit 95 % Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Verlustschwelle nicht überschritten wird, heißt dies nicht, dass dies nicht doch geschehen kann. Einsteiger können dieses Risiko jedoch unter Umständen nicht richtig einschätzen.

Dennoch ist der VaR-Ansatz grundsätzlich interessant und im Zweifel vermutlich in der Lage, das Risiko noch etwas besser zu skalieren, als dies bei der Gewichtung nach Prozenten der Fall ist.

Wie teuer ist Scalable Capital?

Scalable Capital verlangt für seine Dienste 0,75 % des Anlagekapitals im Jahr. Damit bietet das Unternehmen nicht die günstigsten Konditionen für Robot Advisors, allerdings sind die Gebühren durchaus im Vergleich zu Filialbanken und anderen Vermögensverwaltern außerordentlich günstig. Immerhin muss auch der Umstand des dynamischen Risikomanagements mit erhöhtem Aufwand einkalkuliert werden. Dabei ist die gesetzliche Umsatzsteuer in Höhe von 19 % bereits enthalten. Auch die Kosten der depotführenden Bank sind dabei bereits größtenteils beglichen. Verschiedene Zusatzleistungen lässt sich die kontoführende Baader Bank in Unterschleißheim jedoch trotzdem entlohnen, allerdings wird der durchschnittliche Scalable Solutions-Kunde diese nicht in Anspruch nehmen wollen.

Allerdings müssen Kunden wie bei Robo-Advisorn üblich, auch hier die Fremdgebühren für den Handel zahlen. Scalable Solutions gibt die durchschnittlichen Kosten für die verwendeten Fonds mit 0,25 % pro Jahr an. Diese sind bereits in den Kosten enthalten. Es fallen hingegen keine Kosten für Ausgabeaufschläge, Handelskosten für Portfolioanpassungen oder andere Provisionen.

Wie verläuft die Anmeldung?

Wer sich bei Scalable Capital anmelden möchte, muss derzeit zwingend seine Emailadresse hinterlassen. Nur auf diese Weise kann er überhaupt zum Anmeldeformular gelangen. Dort wird er nach den Zielen seiner Anlage und dem Anlagehorizont befragt. Auch seine Risikobereitschaft wird hier ermittelt. Er wird auch hinsichtlich seiner Kenntnisse und Erfahrungen bei der Geldanlage befragt. Er muss zudem Angaben zu seiner finanziellen Situation machen.

Im Anschluss daran erhält er auf Grundlage dessen umfangreichere Informationen zu der Anlagestrategie, die am besten zu ihm passt. Er kann dabei den einmaligen Anlagebetrag, monatliche Einzahlungen und das Verlustrisiko durch Regler ändern, um die veränderten Ergebnisse einzusehen.

Er erfährt darüber hinaus, welche Entwicklung Scalable Capital in den nächsten Jahren statistisch berechnet hat und wie die Anlageklassen prozentual beim entsprechenden Risiko gewichtet sind.

Interessant ist dabei das Scalable Capital es nicht erlaubt, den Regler für das Risiko aus Interesse höher zu stellen, als empfohlen. Auf diese Weise kommen Anleger gar nicht erst in Versuchung, ein höheres Risiko zu gehen, als eigentlich für sie sinnvoll wäre.

Entschließt er sich für einen Abschluss, muss er seine persönlichen Daten angeben und erhält noch einmal alle wichtigen vertraglichen Dokumente zum Download und zur Information aufgelistet. Es folgen die Bestätigung der gemachten Angaben und der Vertragsabschluss.

Welche Bedingungen gelten für das Konto?

Scalable Capital erfordert keine Mindestlaufzeit. ETFs können jederzeit liquidiert werden und der Kunde kann den Vertrag somit immer ohne lange Wartezeit auflösen. Dabei sind auch Teilverkäufe jederzeit möglich, solange der Anlagebetrag von 10.000 Euro nicht unterschritten wird. Ist dies dennoch gewünscht, muss der Kunde den Vertrag kündigen und sich den gesamten Anlagebetrag auszahlen lassen.

Scalable Capital ermöglicht es auch, Minderjährigendepots und Gemeinschaftsdepots für Ehegatten oder Lebenspartner zu führen.

Die Mindestanlagesumme ist mit 10.000 Euro jedoch recht hoch. Für die Führung des Kontos ist ein SEPA-Lastschriftmandat notwendig. Das Anlagekapital wird innerhalb von zwei bis drei Bankarbeitstagen nach Vertragsabschluss automatisch vom Referenzkonto eingezogen. Kunden können diesen Zeitrahmen auf höchstens eine Woche erweitern. Darüber hinaus können Kunden jederzeit noch mehr Geld einzahlen. Dies ist entweder per Lastschrift oder Überweisung möglich und kann im Login-Bereich automatisch ausgeführt werden. Dabei können Einzahlungen auch von Drittkonten erfolgen, während Auszahlungen nur auf das Referenzkonto möglich sind. Das eingezahlte Guthaben wird dann innerhalb einer Woche angelegt. Für Ein- und Auszahlungen werden keine Zusatzgebühren erhoben.

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Depotübertrag bei Scalable Capital

Grundsätzlich ist es möglich, das alte Depot mit Wertpapieren und eventuell vorhandenen Verlusttöpfen zu Scalable Capital, bzw. die Baader Bank zu übertragen. Beträgt der Wert mindestens 10.000 Euro, müssen Kunden zudem keine weitere Einzahlung vornehmen. Sie sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass zur Umsetzung der Anlagestrategie ausschließlich ETFs verwendet werden. Das bedeutet: Die bestehenden Positionen werden ohne Mehrkosten verkauft. Wer dies nicht möchte, sollte sein Depot also nicht zu Scalable Capital übertragen. Alle andere können dies per Email beauftragen, sodass der Kunde selbst keinerlei Organisationsaufwand hat.

Service und Kundenbetreuung

Scalable Capital kann werktags zwischen 09:00 und 19:00 Uhr per Hotline erreicht werden. Darüber hinaus stehen auch ein Kontaktformular und eine Emailadresse zur Verfügung.

Wer sich vom Angebot von Scalable Capital überzeugen möchte, hat in vielen Fällen die Möglichkeit, einen Infoabend in seiner Nähe zu besuchen. Auch Webinare zum Thema ETF werden von dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern angeboten. Außerdem stellt das Unternehmen auch ein Journal bereit, das Privatanleger über wichtige Themen der Geldanlage informieren soll und zudem aktuelle Nachrichten zu Scalable Capital veröffentlicht. Der Fokus ist dabei allerdings sehr eindeutig auf ETFs.

Über Scalable Capital

Ein nicht unwesentlicher Teil des Teams von Scalable Capital hat zuvor für die Investment-Bank Goldman Sachs gearbeitet. So auch die Gründer Florian Prucker, Erik Podzuweit und Adam French. Zusammen mit dem vierten Gründer, Prof. Dr. Stefan Mittnik der Ludwig-Maximilians-Universität in München haben sie das Risikomanagement des Portals entwickelt. Das Startup konnte so einige namhafte Investoren anziehen, unter ihnen Holtzbrinck Ventures., Tengelmann Ventures und MPGI.

Auch wenn Scalable Capital eine Lizenz der BaFin als Vermögensverwalter besitzt, benötigt das Unternehmen natürlich noch eine Vollbank als Partner. Hierfür steht die Baader Bank AG zur Verfügung. Sämtliche Kundengelder lagern also hier. Scalable Capital hat dabei keine Berechtigung, das Geld auf eigene Depots oder Konten zu transferieren. Die Baader Bank AG ist ebenfalls von der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin lizensiert und reguliert. Dies bedeutet auch, dass bis zu 100.000 Euro Kundeneinlagen im Insolvenzfall durch einen Ausfallfonds geschützt werden. Dies gilt zusätzlich zu den Anlagen in ETFs, die als Sondervermögen ohnehin vor dem Zugriff der Insolvenzverwalter geschützt sind.

Webseite könnte kundenfreundlicher sein

Ein Kritikpunkt ist fraglos die Webseite und ihre Gestaltung. Scalable Capital gibt sich größte Mühe, an die Email-Adresse der Interessenten zu kommen. Nur wenn potenzielle Neukunden dies angeben, erhalten sie alle notwenigen Informationen, sonst versperrt eine Eingabemaske die Webseite. Dies ist nicht all zu kundenfreundlich und könnte potenzielle Kunden, die Wert auf ihre Daten legen, verschrecken. Diese können allerdings problemlos über Wegwerf-Emailadressen an die entsprechenden Informationen kommen.

Fast schon ein Geheimtip ist dabei das Whitepaper. Hier erhält der Kunde wesentliche Informationen zu der Anlagestrategie. Es handelt sich dabei zudem um eine Aufbereitung, die auch Kunden verstehen dürften, die sich bislang nicht all zu viel mit der Geldanlage beschäftigt haben. Warum Scalable Capital im Fließtext auf der Webseite nicht auf dieses Dokument hinweist, ist schleierhaft.

Fazit:

Scalable Capital ist einer der teureren Anbieter im Bereich Robo Advisor, dafür bietet das Unternehmen allerdings ein dynamisches Risikomanagement und nicht nur reine Asset-Allokation. Privatanleger sind ab einem Betrag von 10.000 Euro dabei und können dabei auch ihr altes Depot gewissermaßen in Zahlung geben. Der Vertrag kann jederzeit aufgelöst oder der Anlagebetrag erhöht werden. Insgesamt bietet das Unternehmen mit 22 unterschiedlichen Portfolios eine ausgeprägte Differenzierung. Die BaFin-Lizenz sorgt dafür, dass das Unternehmen auch als Vermögensverwalter tätig sein darf. Es handelt sich also nicht um eine reine Übermittlung an die Partnerschaftsbank Baader Bank AG.

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