Fallen Angels – Nachzügler mit Potential

Fallen Angels – Nachzügler mit Potential

Fallen Angel

Ein wirkliches Schnäppchen bei der Geldanlage – Das können sogenannte Fallen Angels sein. Die ehemaligen Lieblinge der Anleger mussten durch Krisen deutliche Kursverluste hinnehmen. Nicht dem Trend zu folgen kann zu beachtlichen Gewinnen führen.

Wie profitabel sind Fallen Angels?

Wie hoch der Gewinn mit einem Fallen Angel sein kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Um den Profit zu maximieren, muss der Anleger den Moment finden, in dem der Aktienkurs einen Boden erreicht und wieder umkehrt. Kauft er die Aktie hingegen während sie noch fällt und greift somit in das sprichwörtlich fallende Messer, kann es sein, dass der Gewinn sehr lange auf sich warten lässt und natürlich nicht in dem Ausmaß eintreffen wird, wie wenn der Käufer den richtigen Einstiegszeitpunkt erwischt.

Die maximale Rendite hängt dann vor allem von der Differenz zwischen Aktienkurs und fairem Wert ab. Letzterer kann sich natürlich noch verändern und ist nicht all zu leicht zu bestimmen. Der ursprüngliche Kurs wird gerade bei sehr deutlichen Einbrüchen allerdings nicht all zu schnell wieder erreicht.

Häufig können Anleger nicht einmal damit rechnen, dass sich der Kurs innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder auf altem Niveau bewegen wird. Das ist einer der Gründe, warum es besonders wichtig ist, einen guten Zeitpunkt zum Einstieg zu erwischen. Ein neues Allzeithoch ist bei fast jedem Fallen Angel in weiter Ferne.

Sind Fallen Angels riskanter?

Fallen Angels sind bei der richtigen Auswahl der Aktien kaum riskanter als andere Wertpapiere. Im Gegenteil können sie durch die meist sehr starke Unterbewertung sogar deutlich höhere Renditechancen bei geringerem Risiko bieten. Auf der anderen Seite können bedeutende Kursverluste auch nur weitere Rückgänge andeuten. Ein Sturzflug kann auch das Investment von Späteinsteigern innerhalb kürzester Zeit vernichten.

Zudem lauern dabei noch weitere Gefahren. So kann es sein, dass ein Unternehmen ernsthaft gefährdet ist und die Insolvenz eine reale Gefahr darstellt. In diesem Fall ist bei den Fallen Angels sogar ein Totalverlust wahrscheinlich, der bei anderen börsennotierten Unternehmen häufig undenkbar ist.

Consorsbank Analyse

Die Consorsbank gibt Auskunft über wichtige Kennzahlen von Aktien

Genauso kann das Problem vorliegen, dass die Aktiengesellschaft sich nicht an geänderte Marktbedingungen anpassen konnte. Möglicherweise wird sie von der Konkurrenz verdrängt oder kann schlicht nicht weiter wachsen, da ihr Potential ausgeschöpft ist. Solche Aktien sind mit Vorsicht zu betrachten und sind im Vergleich zu anderen Wertpapieren häufig riskanter.

Fallen Angels müssen also nicht zwangsläufig riskanter sein als andere Aktien, können jedoch ein erhöhtes Risiko bergen. Deswegen sollten sich Interessenten immer verschiedene Fragen stellen, bevor sie eine Aktie erwerben:

  • Hat der Kurs bereits den Boden erreicht?
  • Sind die Geschäftszahlen so schlecht, dass eine Insolvenz droht?
  • Hat das Unternehmen noch Wachstumschancen?
  • Wie kam der Kurseinbruch zustande?
  • Ist das Management fähig?

Um diese Fragen zuverlässig beantworten zu können, ist es häufig notwendig, Experten zurate zu ziehen. Häufig werden sehr stark abgestürzte Aktien der ehemaligen Lieblinge in der Fachpresse und in den Communitys ausführlich diskutiert. Hier lässt sich häufig ein erster Einblick darüber erhalten, wie die Marktstimmung ist und wie kompetent das Management eingeschätzt wird. Die Geschäftszahlen sollten unabhängig von Drittquellen analysiert werden, auch hier können zusätzliche Meinungen jedoch sinnvoll sein.

Gerade bei großen Konzernen folgen auf einen Skandal häufig weitere Negativmeldungen, die weitere Kursstürze verursachen. Ein kritisches Merkmal ist dabei häufig die Transparenz und Vertrauenswürdigkeit des Managements. Sie sorgen durch Skandale meist zu spektakulären Kurseinbrüchen. Eine andere Möglichkeit ist jedoch auch mangelnde Kompetenz oder fehlendes Wachstumspotenzial, das eher einen stetigen Kurseinbruch zur Folge hat. Während sich das Kursniveau im Skandalfall häufig schneller wieder erholt, ist bei einem stetigen aber langsamen Fall noch mehr Vorsicht angebracht. Hier ist es unwahrscheinlicher, dass sich ein Aktienkurs noch erholt, solange das Management nicht deutlich macht, mit welchen Maßnahmen das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht werden soll.

Wie erkennt man Fallen Angels?

Nicht jede Aktie, die stark abgestürzt ist, ist ein vielversprechender Fallen Angel. Um die Aktien zu entdecken, die sich besonders lohnen, ist es wichtig, die Unternehmen gründlich zu durchleuchten. Ein starker Kurseinbruch ist nämlich kein ausreichendes Signal. Vereinzelt werden Unternehmen so stark überbewertet, dass eine einfache Korrektur ohne besonderen Auslöser einen deutlichen Kurseinbruch verursachen kann. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Aktie dann unterbewertet wäre.

Eine gute Auswahl lässt sich allerdings häufig bereits über einige wichtige Kennzahlen der Fundamentalanalyse und vor allem der quantitativen Unternehmensanalyse erreichen.

  1. KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt das Verhältnis zwischen Aktienkurs zum erwirtschafteten Gewinn pro Aktie an. Er sollte mit dem Brachen-KGV verglichen werden, um zu erkennen, ob eine tatsächliche Unterbewertung vorliegt. Je geringer das KGV, umso stärker unterbewertet ist die Aktie.

Interessenten sollten allerdings unbedingt beachten, dass das KGV mit zurückliegenden Daten ermittelt wird. Ein besonders geringes KGV kann also auch dadurch zustande kommen, dass der Markt mit deutlichen Gewinneinbußen rechnet und sich dies im Aktienkurs schon niederschlägt, das KGV aber noch mit den alten Daten errechnet wird.

  1. KCV

Das Kurs-Cash Flow-Verhältnis gibt das Verhältnis des Kurses zum Cash Flow je Aktie an. Der Cash-Flow wird als Indikator für die Ertragskraft genutzt und gibt den Umsatzüberschuss aus den geschäftlichen Aktivitäten an. Er wird deswegen dem Gewinn häufig vorgezogen, weil er schlechter manipulierbar ist und zudem auch bei schwankungsstarken Sektoren oder investitionsintensiven Jahren aussagekräftige Ergebnisse liefert.

  1. Kurs-Buchwert-Verhältnis

Das KBV ermöglicht es, die Summe der Vermögensgegenstände und die ausstehenden Verbindlichkeiten gegenzurechnen. Im Prinzip lässt sich so also errechnen, wie viel die Aktiengesellschaft bei einer vollständigen Liquidation Wert wäre.

Das KBV sollte bei der Ermittlung von Fallen Angels in jedem Fall betrachtet werden. Tendiert es zu 1 oder liegt sogar darunter, könnte es sich um eine besonders attraktive Investitionsmöglichkeit handeln. Allerdings kann es auch sein, dass Verluste den Marktwert des Eigenkapitals vernichten, ohne dass sich dies schon auf den Buchwert auswirkt.

  1. Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote ist eine der wichtigsten Kennzahlen, wenn es darum geht, die wirtschaftliche Stabilität des Fallen Angels zu bewerten. Eine hohe Eigenkapitalquote ermöglicht es dem Unternehmen auch in wirtschaftlich schweren Zeiten, Fremdkapital zu akquirieren und so Insolvenzen abzuwenden. Zudem steht das Unternehmen dann häufig auf einer soliden Grundlage und die Einnahmen werden nicht durch Zinsen aufgefressen. Auf der anderen Seite ermöglicht Fremdkapital jedoch nicht nur Steuerersparnis, sondern ermöglicht es dem Unternehmen auch, schneller zu wachsen, sodass eine ausgewogene Mischung sinnvoll ist.

  1. Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist einer der Hauptgründe, warum sich Fallen Angels häufig richtig lohnen können. Der Aktienkurs ermöglicht oft nur eingeschränkte Aussagen über den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Gerade etablierte Aktiengesellschaften können trotz negativer Schlagzeilen am Ende des Geschäftsjahres einen Gewinn verbuchen, den diese dann natürlich in Teilen nutzen, um ihre Aktionäre zufrieden zustellen und den Kurs zu stabilisieren.

Behält ein Unternehmen seine Dividendenzahlung in gleicher Höhe bei, während der Kurs deutlich gestiegen ist, können mutige Anleger hiervon noch einmal stärker profitieren. Allerdings kann ein starker Kurseinbruch natürlich auch Anzeichen dafür sein, dass das Unternehmen nicht länger Gewinn verbuchen kann und somit die Dividendenzahlung ausfällt. Auch die Dividendenrendite kann sich nur aus zurückliegenden Werten errechnen und ist deswegen nur bedingt aussagekräftig.

Ergeben all diese Kennzahlen eine Unterbewertung, ist es sinnvoll, die Aktiengesellschaft noch etwas genauer anzusehen.

Wichtig Merkmale bei den Fallen Angels

Um vielversprechende Fallen Angels herauszufiltern, ist es dann notwendig, sich die Unternehmensgeschichte und den Vorstand genauer anzusehen. Häufig ergeben sich hier wichtige Merkmale darauf, ob es wahrscheinlich ist, dass der Kurs sich wieder erholt.

Ein Fallen Angel kann nur dann als attraktive Anlagemöglichkeit in Betracht gezogen werden, wenn:

  • Alle Altlasten abgetragen sind
  • Keine neuen Skandale drohen
  • Das Management erneuert wurde oder Fehler eingestanden und korrigiert hat
  • Einigkeit im Management herrscht
  • Probleme und Lösungsvorschläge transparent kommuniziert wurden
  • Die Maßnahmen bereits greifen.
  • Die Branche oder der Sektor nicht in einer langanhaltenden Krise steckt

Hierbei kann durchaus auch die Marktmeinung in Betracht gezogen werden. Privatanleger haben in der Regel nicht die Analysemöglichkeiten und Einsichten von Finanzexperten und Analysehäusern. Deswegen ist es durchaus sinnvoll, darauf zu achten, ob die ersten Analysten bereits wieder eine Kaufempfehlung geben und sich die Stimmung wieder dreht.

Der richtige Einstiegszeitpunkt bei Fallen Angels

Gerade bei Fallen Angels kann es sinnvoll sein, mit dem Kauf etwas abzuwarten. Egal wie stark ein Kurseinbruch war – es kann immer weiter bergab gehen. Auch eine kurze Erholung ist ein typisches Zeichen hierfür. Für Chartanalysten gilt sie sogar als Warnsignal. Ein Investment ist erst dann empfehlenswert, wenn sich ein Boden ausgebildet hat oder die Marktstimmung deutlich positiver wird. Sonst geht der Anleger das Risiko ein, dass er weitere Kurseinbrüche voll mitgehen muss.

Ein sinnvoller Ansatz kann deswegen sein, speziell die Trendumkehr zu erkennen. Dies funktioniert beispielsweise über Momentum-Indikatoren. Allerdings ist auch so der richtige Zeitpunkt häufig nicht leicht zu ermitteln. Nicht nur Privatanleger, auch institutionelle Investoren scheitern hieran oft. Grund dafür sind häufig auch weitere Negativ-Schlagzeilen des Unternehmens oder der Branche. Eine eingehende Analyse der „weichen“ Faktoren ist also unabdingbar. Dafür sollten ruhig auch Spekulationen und Gerüchte beachtet werden. Diese sind zwar nur selten tatsächlich wahr, falls sie sich jedoch bestätigen, muss der Anleger häufig empfindliche Verluste hinnehmen. Vorsichtig zu sein kann aufgrund des hohen Risikos jedoch durchaus sinnvoll sein.

Fazit:

Fallen Angels sind in vielen Fällen durchaus riskanter als herkömmliche Wertpapiere, bieten jedoch häufig auch ein enormes Renditepotential. Privatanleger sollten eine Fundamentalanalyse durchführen, um unterbewertete Aktien zu erkennen. Zudem sind die Gründe für den Kurseinbruch wichtig. Diese sollten durch ein fähiges Management beseitigt werden, bevor ein Einstieg in Betracht gezogen wird. Im Zweifel ist Geduld wichtig, um nicht in ein fallendes Messer zu greifen.

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