LIQID Erfahrungen – Test und Bewertung

LIQID Erfahrungen – Test und Bewertung

Liquid ist ein relativ junges Start-Up aus der Fin-Tech Szene Berlins. Das Unternehmen legt Geld für seine Kunden an und möchte ein digitales Family Office anbieten. Diese Möglichkeit ist allerdings nach wie vor nicht für Kleinanleger geeignet: Einsteiger benötigen mindestens einen sechsstelligen Anlagebetrag, die sie dem Unternehmen zur Verfügung stellen können.

Was bietet LIQID?

LIQID tritt als Vermögensverwalter auf und hat von der BaFin eine Erlaubnis zur Finanzportfolioverwaltung erhalten. LIQID ist dabei relativ neu auf dem Markt und hat erst im Herbst 2016 seine Pilotphase beendet und die BaFin-Lizenz erhalten. Seitdem steht das Unternehmen offiziell auf eigenen Füßen und kann seinen Kundenkreis erweitern. Zuvor war es hauptsächlich als Finanzdienstvermittler tätig und hat vor allem Dienste der HQ Trust weiter vermittelt. Dabei bietet das Unternehmen seinen Kunden drei unterschiedliche Strategien an, mit denen sie ihr Portfolio gestalten können:

  • LIQID Index Strategie
  • LIQID Global Strategie
  • LIQID Select Strategie
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Die verschiedenen Portfolios unterscheiden sich dabei in der Auswahl der Assets, der Differenzierung bei der Diversifikation und sind teilweise aktiv gemanagt.

Dabei bietet das Unternehmen innerhalb der verschiedenen Strategien eine Differenzierung nach Risikostufen. Die Risikobereitschaft für die Geldanlage bei LIQID wird durch verschiedene Tests ermittelt. Je nach Risikotyp werden dann die einzelnen Assets unterschiedlich gewichtet. Bei risikofreudigen Anlegern sind beispielsweise mehr Aktien vertreten, während bei defensivem Anlageverhalten prozentual mehr Anleihen im Portfolio enthalten sind.

Was ist die LIQID Index-Strategie?

LIQID Index wird vom Unternehmen als der Vergleichsmaßstab bezeichnet, an dem die Strategie gemessen wird. LIQID Index bildet also so gut wie möglich den weltweiten Kapitalmarkt ab und umfasst dabei sowohl Aktien als auch Anleihen. In der Praxis handelt es sich dabei um zwei passive Indexfonds. Einer bildet die globalen Aktienmärkte ab, ein anderer spiegelt Anleihen mit guter bis sehr guter Bonität wieder. Diese Strategie ist aufgrund der Passivität bei der Verwaltung das günstigste Portfolio. Sie versucht nicht, den Markt zu schlagen und ist somit für alle Anleger geeignet, die die Mehrkosten für aktives Fondsmanagement nicht tragen wollen, weil sie nicht glauben, dass dies möglich ist.

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LIQID wirbt mit niedrigen Kosten

Welche Strategie verfolgt LIQID Global?

LIQID Global versucht, die Aktienmärkte jeweils nach ihrer regionalen Wirtschaftskraft zu gewichten und so Anleger vor Kapitalmarktblasen zu schützen. Der Anleger legt dann über LIQID in fünf unterschiedliche Assetklassen an:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Geldmarkt
  • Gold
  • Industrie-Rohstoffe

Im Vergleich zum LIQID Index-Portfolio ist die weltweite Diversifikation etwas höher und differenzierter. Auch hier handelt es sich allerdings nicht um eine erhöhte Renditechance durch aktives Fondsmanagement.

Wie zeichnet sich LIQID Select aus?

LIQID Select wurde von HQ Trust entwickelt. Es handelt sich dabei um einen dreistufigen Anlageprozess, der aktiv durchgeführt wird. In effizienten Märkten wird nach wie vor die passive Anlage über ETFs genutzt, in weniger effizienten Märkten sollen Renditechancen durch aktiv gemanagte Fonds genutzt werden. Gegenüber LIQID- Global wird deswegen zusätzlich auch in Hedgefonds investiert.

Was bieten Family Offices?

Family Offices wie LIQID bieten eine umfassende Vermögensverwaltung von üblicherweise wohlhabenden Kunden. Ins Leben gerufen wurden sie ursprünglich, um das Vermögen von reichen Familien gewinnbringend anzulegen. Ein ganzer Mitarbeiterstamm war dann damit beschäftigt, die besten Anlageobjekte zu finden. Später wurde dies tatsächlich ein Geschäftsmodell, von dem auch nicht ganz so reiche Kunden profitieren konnten.

Family Offices betreuen dann verschiedene Klienten und sind nicht von einem einzelnen Investor abhängig. Aufgrund der Finanzkraft, die hinter derartigen Unternehmen steckt, sind die Anlagemöglichkeiten jedoch vollkommen anders, als dies bei Kleinanlegern der Fall ist. Sie können in der Regel schon mit institutionellen Anlegern mithalten und können gerade auch im Immobilien- oder Private Equity-Bereich auf völlig unterschiedliche Art und Weise aktiv werden. Die Eingangsvoraussetzungen sind auch heute noch allerdings recht hoch. Investoren müssen in der Regel fünf- bis sechsstellige Beträge einbringen, um Klienten von Family Offices werden zu können.

Wie teuer ist LIQID?

Natürlich will LIQID für seine Dienste entlohnt werden. Dabei erhebt das Unternehmen wie bei Family Offices üblich eine Pauschale, die sich nach dem verwalteten Vermögen richtet. Die Konditionen sind auch vom gewählten Investitionsmodell abhängig:

  1. LIQID Index: 0,15 % Verwaltungspauschale und 0,27 Produktkosten = 0,42 %
  2. LIQID Global: 0,45 % Verwaltungspauschale und 0,25 Produktosten = 0,70 %
  3. LIQID Select: 0,90 % Verwaltungspauschale und 0,86 Produktosten = 1,76 %

In den Kosten sind enthalten:

  • Broker- Und Börsenplatzkosten
  • Risikomanagement
  • Reporting (Digital)
  • Depot- und Kontoführung
  • Persönliche Betreuung

Unter welchen Bedingungen können Kunden LIQID nutzen?

Die Konditionen der LIQID Investment GmbH sind zugegebenermaßen nicht für jeden zu erfüllen. Immerhin benötigen Kunden zum Einstieg ein Investmentkapital von 100.000 Euro. Dies ist allerdings nicht deswegen der Fall, weil LIQID sich speziell an wohlhabende Kunden richten möchte. Stattdessen gilt dieser Betrag unter Vermögensberatern als die unterste Grenze, zu der eine umfangreiche individualisierte Beratung stattfinden kann, wenn sie ausreichend auf den Kunden eingehen soll und ein Portfolio nach seinen Bedürfnissen und Wünschen erstellt werden soll. Der Service kann für weniger Kapital schlichtweg nicht gewinnbringend durchgeführt werden. LIQID leistet dies allerdings nicht. Vermutlich kann das Unternehmen nur durch diese hohe Einstiegshürde die günstigen Konditionen gewährleisten. Es ist deswegen zumindest derzeit also auch nicht wahrscheinlich, dass LIQID die Einstiegshürden in näherer Zukunft absenken kann.

Noch mehr Kapital müssen Kunden für das Modell LIQID Select mitbringen. Dies kann erst ab einer Anlagesumme von 250.000 Euro genutzt werden.

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LIQID verlangt keine Mindesthaltefrist. Stattdessen können Portfolios jederzeit innerhalb von zwei Wochen zum Monatsende kündigen. Zudem ist es auch möglich, Liquidität aus dem Portfolio zu entnehmen, solange der Gesamtbetrag über 100.000 Euro (oder 250.000 Euro bei LIQID Select) liegt. LIQID verkauft dann Teile des Investments und schreibt den Erlös auf dem Referenzkonto gut. Dafür benötigt das Unternehmen rund fünf Bankarbeitstage. Sollte das Portfolio durch Wertschwankungen unter den Mindestbetrag fallen, müssen Kunden natürlich kein Geld nachschießen.

Ist LIQID tatsächlich ein Family Office?

Der Begriff Family Office ist rechtlich nicht geschützt. Das bedeutet, dass es grundsätzlich nicht möglich ist, LIQID diese Zuschreibung abzusprechen. LIQID arbeitet mit HQ Trust zusammen, das ein Multi Family Office ist, das internationale Bekanntheit genießt. Der Dienst, der von LIQID angeboten wird, ist allerdings grundsätzlich nicht mit einer umfassenden Beratung im Sinne eines Family Office gleichzusetzen.

Kunden erhalten hier keine Finanzberatung mit Anlageprodukten, die speziell auf ihre Bedürfnisse angepasst werden. Aus diesem Grunde ist beispielsweise auch ein Depotübertrag nicht möglich. Kunden dürfen nicht davon ausgehen, dass sie von LIQID eine individualisierte Beratung und Anlagestrategie erhalten. Stattdessen ist LIQID eher als ein Vermittler von Finanzdienstleistungen anzusehen. Es leitet die Kundenwünsche an seine Partner weiter, die dann die eigentliche Geldanlage übernehmen.

Letztlich macht das Unternehmen nichts anderes als ein üblicher Robo-Advisor. Ein bedeutender Unterschied ist allerdings, dass die Einstiegshürden bei LIQID deutlich größer sind als beim Rest der Anbieter, die Gebühren jedoch unter dem Durchschnitt liegen. Dies betrifft sowohl die Veraltungspauschale als auch die Fremdkosten.

Viele andere Robo-Advisor richten sich eher an Kleinanleger und bieten Sparpläne oder Einmalzahlungen zwischen 2.500 Euro und 10.000 Euro an. Dafür liegen die Gebühren für eine passive Verwaltung nur selten deutlich unter einem Prozent. LIQID ermöglicht also offensichtlich einem exklusiven Kundenkreis, Robo-Advising für sehr wenig Geld zu bieten.

Ist LIQID seriös?

Am Dienst sind insgesamt drei unterschiedliche Unternehmen beteiligt oder Partner. Neben LIQID selbst sind auch HQ Trust und Deutsche Bank Wealth Management eng mit der Dienstleistung verknüpft.

LIQID ist dabei wohl das größte Fragezeichen. Das Start-Up konnte sich natürlich noch nicht dadurch auszeichnen, dass es seine Kunden jahrelang auf hohem Niveau betreut hat. Dies muss das Unternehmen erst noch beweisen. Es gibt jedoch keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen seriös ist. Es hat namhafte Investoren und konnte auch die BaFin von seinen redlichen Absichten und solider Geschäftsgrundlage überzeugen.

Der wichtigste Partner von LIQID ist HQ Trust. Dabei handelt es sich um eines der ältesten und bekanntesten Family Offices in Deutschland. Es stellt dabei das Finanzdienstleistungsunternehmen der Familie Harald Quandt dar und kann inzwischen auf mehr als 30 Jahre überdurchschnittlich erfolgreiche Geldanlage stolz sein. HQ Trust ist wesentlich für LIQID, weil die Anlagestrategien über das Family Office laufen und es seine Expertise in viele Geschäftsbereiche einfließen lässt.

Die Dritte im Bunde ist die Deutsche Bank. Hier wird das Depot eröffnet und die Kundeneinlagen verwaltet. Die Deutsche Bank hat zwar in den letzten Jahren durchaus durch Negativschlagzeilen von sich reden gemacht, es handelt sich dennoch um eine der größten Bankengruppen der Welt, der viele Kunden vertrauen.

Ist LIQID sicher?

LIQID ergreift verschiedene Maßnahmen, um die Geldanlage auch abseits der Diversifikation so sicher wie möglich zu gestalten:

  • Wertpapiere zählen zum Sondervermögen und sind im Insolvenzfall geschützt.
  • Bis zu 100.000 Euro oder 20 % des haftenden Eigenkapitals der Deutschen Bank stehen bei Zahlungsunfähigkeit bereit, um Bareinlagen zu schützen.
  • Ein- und Auszahlungen können nur über ein Referenzkonto abgewickelt werden, sodass die Geldanlage vor dem Zugriff Dritter geschützt ist.
  • Die Kommunikation mit dem Kunden wird per 256-bit TLS 1.2. verschlüsselt.
  • Die Webseite basiert auf HTTPS.
  • Die Plattform wird ausschließlich auf gesicherten, deutschen Servern betrieben.
  • Eine fortlaufende Risikoanalyse erhöht die Sicherheit.
  • Nur ein begrenzter Mitarbeiterkreis hat Zugang zu den Kundendaten.
  • Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

Fazit:

LIQID steckt derzeit noch in den Kinderschuhen und wird jetzt dank der neuerworbenen Lizenz erst als Vermögensverwalter tätig, nachdem das Startup zuvor hauptsächlich als Finanzvermittler tätig wurde. Überzeugend sind die sehr niedrigen Gebühren, die das Unternehmen vor allem bei der passiven Verwaltung veranschlagt, bedauerlich sind die sehr hohen Mindesteinlagen von 100.000 Euro bei der passiven Verwaltung und 250.000 Euro beim aktiven Management.

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