Aktienhandel lernen

Wissenswertes über Aktienindizes – Was Privatanleger über Aktienindizes wissen sollten

Aktienindizes erlauben es wie kaum eine andere wirtschaftliche Kennzahl, den Zustand einer Börse und somit auch die Stimmung in der Wirtschaft zu erfassen. Sie dienen somit als Börsenbarometer und erlauben es Anlegern, die Stimmung an internationalen Handelsplätzen auf dem ersten Blick zu erfassen.

Sie erfüllen die folgenden Funktionen:

  • Börsenbarometer
  • Dokumentation der historischen Kursentwicklung
  • Vergleichsmaß zur Messung der Entwicklung von Portfolios
  • Als Indikatoren für technische Analyse nutzbar
  • Grundlage von Finanzderivaten

Wie kommt ein Aktienindex zustande?

Aktienindizes werden auf unterschiedliche Arten berechnet, die sehr komplex sein können. In der Regel werden reine Kursindizes und Performanceindizes unterschieden, wobei in letztere auch Dividenden und andere Ausschüttungen miteinfließen.

Die Berechnung findet dann mit unterschiedlicher Gewichtung der einzelnen Aktienkurse statt. Die Gewichtung basiert so gut wie immer entweder auf der Marktkapitalisierung, den Aktienkursen oder wird begrenzt und beruht auf einer Rangliste, die häufig dieselben Kriterien nutzt.

Welches sind die wichtigsten Aktienindizes?

In Deutschland sind dies:

  • Dax
  • MDax
  • TecDAX
  • SDax

Darüber hinaus gilt auch der FAZ-Index nach wie vor als einer der wichtigsten deutschen Aktienindizes. Er war bis zur Einführung des DAX der beliebtestes Index für deutsche Aktien und wird heute immer noch von vielen Aktionären als Anhaltspunkt genutzt. Dadurch, dass er nicht nur den DAX, sondern mit den 100 größten Aktiengesellschaften nach Marktkapitalisierung auch kleinere Aktiengesellschaften abbildet, gilt er als etwas aussagekräftiger. Auch die einzelnen Unterindizes, die verschiedene Branchen widerspiegeln, gelten als wertvolle Anhaltspunkte. Grundsätzlich soll der FAZ-Index in der Lage sein, deutliche Veränderungen früher abzubilden als dies beim DAX der Fall ist.

Weltweit genießen darüber hinaus die folgenden Aktienindizes große Beachtung:

  • Dow Jones
  • Eurostoxx 50
  • Nikkei
  • MSCI World
  • MSCI Emerging Markets Index
  • SSE Composite Index (China)
  • FTSE 100 Index (britischer Leitindex)
  • Hang Seng Index (Hongkong)
  • NASDAQ 100
  • Nasdaq Composite
  • S&P 500

Was ist ein Leitindex?

Beim Leitindex handelt es sich um den jeweils wichtigsten Aktienindex einer Volkswirtschaft. In Deutschland wäre dies beispielsweise der DAX. Er soll den Markt besonders gut wiederspiegeln und besteht in der Regel aus den größten Unternehmen des Landes. Er wird deswegen auch international am besten beachtet.

Wichtiger Unterschied: Performance und Kursindex

Der Dax wird bekannterweise auf zwei unterschiedliche Arten berechnet. Zum einen gibt es einen reinen Kursindex, der lediglich die Aktienkurse hinsichtlich der Marktkapitalisierung der 30 größten Unternehmen an der deutschen Börse abbildet. Dieser wird in der Regel gemeint, wenn Presse oder Wirtschaftsexperten von „DAX“ reden. Damit stellt der DAX in der Welt der Indizes eine Besonderheit dar. Die meisten Indizes sind als Kursindizes beliebter, auch wenn es von den meisten Indizes sowohl Kurs- als auch Performance-Indizes gibt.

Consorsbank Analyse

Consorsbank stellt Renditen einzelner Aktien übersichtlich dar

Es gibt deswegen auch einen Kursindex des DAX. In ihm fließen keine Dividenden oder andere Zahlungen ein, stattdessen werden nur die Kurse berücksichtigt. Das hat den Vorteil dass der Dax mit den anderen wichtigen Aktienindizes auf der Welt deutlich leichter verglichen werden kann. Und auch der Vergleich zum Performance-Dax kann so wesentlich unkomplizierter durchgeführt werden. So lässt sich auf nur einem Blick erkennen, dass die jährliche Steigerung des Performance-Dax die des reinen Kurs-Dax zwischen zwei und drei Prozent übersteigt – was somit eindeutig auf Dividendenzahlungen zurückzuführen ist, sodass der Anleger auch direkt erkennt, welche Ausschüttung er bei einem Investment in den Dax durchschnittlich erwarten kann.

Anleger, die sich für Indexfonds oder passiv gemanagte Fonds interessieren, sollten diesen Unterschied besonders beachten. Während der Kursindex lediglich die Aktienkurse abbildete, kann die Investition auf Basis des Performanceindex hingegen durch Ausschüttungen profitabler sein.

Weltweit bekanntester Aktienindex teilweise veraltet

Allerdings erfolgt die Zusammensetzung von Aktienindizes nicht immer nach nachvollziehbaren und objektiven Gründen. Das wohl beste Beispiel hierfür ist der wohl bekannteste Aktienindex der Welt: Der Dow Jones. Dieser wurde in der Vergangenheit nicht nach objektiven Kriterien zusammengesetzt.

So bestimmten lange Zeit die Redakteure des Wall Street Journal, welche Unternehmen hier gelistet werden. Auch heute noch sorgt die Zusammensetzung teilweise für Kritik. Der Dow Jones Industrial Average ist nämlich lediglich als Kursindex konzipiert. Das bedeutet, dass nur die Aktienkurse der enthaltenen Wertpapiere in die Berechnung einfließen, nicht jedoch Faktoren wie die Anzahl der ausgegebenen Aktien. Noch dazu hängt auch die Gewichtung eines Unternehmens im Index ausschließlich vom Kurs ab. Je höher dieser ist, umso stärker wird das Unternehmen im Dow Jones gewichtet.

Das führt und führte in der Vergangenheit zu zahlreichen Kuriositäten, wie beispielsweise die Tatsache, dass Apple – seit September 2011 immerhin als wertvollstes Unternehmen der Welt gehandelt – erst im Jahr 2015 in den Index aufgenommen wurde. Die Begründung dafür war, dass der Kurs der Apple-Aktie zu hoch sei und den Index zu sehr beeinflussen würde. Mit einem Kurs von über 600 Dollar je Aktie hätte eine Aufnahme von Apple dem Konzern eine Gewichtung von 26 Prozent im Index beschert.

Die relativ volatile Aktie alleine hätte dann regelmäßige Kurssprünge von rund 100 Punkten verursachen können. Erst ein Aktiensplit ermöglichte es, den Konzern in den Dow Jones aufzunehmen. Auch der IT-Riese Alphabet fehlt bislang im Aktienindex aufgrund der hohen Aktienkurse. In der Vergangenheit sind zudem mehrfach Unternehmen wegen ihrer niedrigen Kurse trotz größerer Marktkapitalisierung stark untergewichtet gewesen.

Die Probleme bei der Abbildung des Marktes hängen dabei nicht unwesentlich damit zusammen, dass sich weder Aktionäre noch Unternehmen länger an die Faustregel halten wollen, dass Aktienkurse die Marke von 100 Dollar nicht überschreiten. Jahrzehntelang war es üblich, dass Aktiengesellschaften die Wertpapiere splitteten, sobald diese Grenze in die Nähe rückte. Heute investieren Aktionäre auch dann, wenn Aktien deutlich mehr wert sind, sodass es für Unternehmen keinen Grund mehr gibt, den Aktienbestand künstlich zu erhöhen um hohe Kurse zu verhindern.

Der Dow Jones ist also aufgrund von Aufnahmekriterien, die nicht als objektiv zu betrachten sind, ein Index, der mit Vorsicht zu betrachten ist. Zugleich kann er jedoch dennoch einiges an Aussagekraft aufweisen. Immerhin spiegelt er wieder, wie groß das Vertrauen der Aktionäre in die größten US-amerikanischen Traditionsunternehmen ist, und gibt auf diese Weise die Marktstimmung doch wieder. Für die Bewertung der IT-Branche oder anderen Technologieunternehmen ist der Index hingegen eher nicht geeignet.

Wann wird die Zusammensetzung eines Aktienindex geändert?

Die Tatsache, dass der Dow Jones seine seit mehr als 120 Jahren gültige Gewichtung beibehält, obwohl inzwischen klar ist, dass dieses Prinzip nicht länger gut funktioniert, zeigt, wie schwer es ist, den Aktienindex zu ändern. In der Regel wird nicht die Berechnung geändert, sondern ein vollkommen neuer Index berechnet.

Die Zusammensetzung ändert sich sonst in der Regel nach den folgenden Kriterien:

  • Festgelegte Zeitpunkte
  • Insolvenzen
  • Deutliche Kursverluste
  • Unternehmensübernahmen
  • Deutliche Über- oder Unterschreitung der qualifizierenden Kriterien

Gefahr durch Index-Aufnahme und –Ausschluss

In einem Index aufgenommen zu werden, kann sich deutlich auf den Aktienkurs auswirken. Bei der Aufnahme ist dies für Aktionäre ein Segen, beim Ausschluss hingegen eher Fluch. Zum Zeitpunkt der Aufnahme steigen die Kurse häufig deutlich. Das liegt auch immer mehr an Indexfonds, die versuchen, einen Index möglichst genau abzubilden und dafür auch physisch Aktien der neu aufgenommenen Papiere erwerben.

Da die Fonds in der Regel sicher gehen wollen, dass das Unternehmen auch tatsächlich im jeweiligen Index aufgenommen wird, warten sie häufig bis zur offiziellen Bekanntgabe ab. Bis dahin sind die Kurse jedoch häufig schon in die Höhe getrieben worden, da Aktionäre auch auf die Gerüchteküche reagieren. Direkt im Anschluss steigt der Kurs vorerst noch stärker, da beispielsweise Hedge Fonds versuchen, die Aktien innerhalb weniger Tage wieder gewinnbringend zu verkaufen.

Dies wird deswegen möglich, weil viele ETFs sehr langsam auf die Aufnahmen reagieren, die Aktie aber mehr oder weniger kaufen müssen, um einen Index repräsentieren zu können. Deswegen kann es passieren, dass eine Aktie rund um den Tag, an dem sie in den Index aufgenommen wird, mehr als zehn Prozent Kurssteigerung verzeichnen kann.

Natürlich ist bei einem Ausschluss aus dem Index die umgekehrte Kursentwicklung nicht unwahrscheinlich. Die Kurse fallen oft deutlich, erholen sich jedoch auch innerhalb kurzer Zeit wieder.

Natürlich hängt die tatsächliche Entwicklung dabei von verschiedenen Faktoren ab. Unternehmen, die beispielsweise nicht mehr Teil des DAX sind, werden im MDax gelistet, sodass Fonds, die diesen Index abbilden, einen Teil der Wertpapiere übernehmen und der Kurs deswegen nicht deutlich schwankt. Zudem stoßen ETF Fonds ihre Wertpapiere nicht zeitgleich ab, da die Anpassung häufig nur vierteljährlich geschieht.

Eine Kurserholung muss jedoch nicht immer folgen. Immerhin bedeutet ein Rausschmiss aus einem Index auch immer eine gesunkene Nachfrage, die meistens auf Unternehmensdaten basiert. Ein Unternehmen, dass beispielsweise den Dow Jones verlassen muss, muss wirtschaftlich nicht instabiler sein als zuvor. Gelegentlich zeigt eine solche Konsequenz jedoch auch an, dass das Unternehmen ernsthafte finanzielle Probleme hat.

So musste beispielsweise der Fotokonzern Eastman Kodak, der 2005 Insolvenz anmelden musste, den berühmten Index nur ein Jahr zuvor verlassen. Ein Problem kann dabei sein, dass sich eine solche Entwicklung durch eine selbsterfüllende Prophezeiung verstärkt. Ein Vertrauensverlust kann zu Schwierigkeiten bei der Erhaltung oder der Beschaffung von Fremdkapital führen, was dann eine Insolvenz erst recht begünstigt.

Fazit:

Aktienindizes sind wichtige Indikatoren, allerdings kann ihre Aussagekraft aufgrund von verschiedenen Faktoren begrenzt sein. Zudem wirkt sich ihre Zusammensetzung durch ETFs inzwischen deutlicher auf die Kurse aus, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Anleger sollten wissen, welche Aktienindizes sie nutzen und wie diese berechnet werden und sich zusammensetzen.

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