Finanzen in einer App

Elektronische Finanzberater und Auto-Trader: Die Geldanlage automatisiert sich zusehens

PCs, Laptops, Tablets und Smartphones: Den meisten Privatanlegern steht heute soviel Rechenleistung zur Verfügung wie nie zuvor. Zusammen mit Zugriff auf deutlich mehr Informationen und der Öffnung des Finanzmarktes für Privatanleger bietet dies fast unbegrenzte Möglichkeiten, kann jedoch auch überfordern. Immer mehr elektronische Helfer sollen deswegen Privatanlegern dabei helfen, den Durchblick zu behalten.

Ist eine App der Finanzberater der Zukunft?

Nicht wenige Finanzberater fürchten sich davor, in Zukunft überflüssig zu sein. Ohnehin hat durch die zahlreichen Online-Banken ein Umdenken stattgefunden. Immer mehr Menschen verzichten auf die Informationen ihres Bankberaters und legen ihr Geld stattdessen selbstständig an. In vielen Fällen ist das sinnvoll, da Finanzberater in Tests nicht immer gut abschneiden. Die Eigenständigkeit bei der Geldanlage führt allerdings auch dazu, dass das Bedürfnis nach aussagekräftigen und zuverlässigen Informationen und auch Hilfen immer weiter zunimmt.

Dabei haben viele Anleger inzwischen alle Informationen zu ihrem Vermögen in der Hosentasche. Immer mehr Apps sollen Privatanlegern dabei helfen, die beste Entscheidung für ihre Geldanlage zu treffen oder ihre Finanzen zu verwalten.

Dabei könnten sie zahlreiche Vorteile aufweisen:

  • Kostengünstiger als ein Finanzberater
  • Zuverlässiger, da objektiver
  • Unabhängig (?)
  • umfassender
  • Flexibler einsetzbar
  • Wissen von vielen Experten anstatt einem
  • Ausführung der Anlageentscheidung per Klick

Natürlich bestehen auch bei einem elektronischen Finanzberater prinzipiell einige Schwächen. So ist die Unabhängigkeit nur solange gewährleistet, solange keine einzelnen Produkte gegenüber anderen bevorzugt empfohlen werden, beispielsweise weil die Entwickler dafür entlohnt werden oder das Produkt sogar selbst anbieten.

Consorsbank Analyse

Die Consorsbank stellt verschiedene Informationen zur Aktie zur Verfügung

Sollte sich dabei eine App als klarer Marktführer durchsetzen können, könnte dies zudem auf dem Finanzmarkt zu interessanten Phänomen, aber auch zu Fehlentwicklungen führen. Sollte ein Großteil der Anleger nach bestimmten Empfehlungen oder Kriterien handeln, könnte dies umso problematischer werden, umso mehr Nutzer die App hat.

Diese Apps gibt es bereits:

Auch wenn es zumindest aktuell noch keine App gibt, die eine umfassende Finanzberatung leisten könnte, gibt es dennoch bereits jetzt einige interessante Entwicklungen. Sie sollen Privatanlegern bei ihren Anlageentscheidungen helfen, eine bessere Übersicht ermöglichen und dem Anleger dabei helfen, die zahlreichen Informationen zu entschlüsseln. Zu den besten derzeit erhältlichen Apps zur Geldanlage zählen:

  1. Simply Wall St.

Die Simply Wall St. App ist eine mobile Version der sehr umfangreichen gleichnamigen Webplattform. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Privatanlegern Anlageentscheidungen zu erleichtern. Zum einen erhält der Anleger Zugang zu hochwertigen Daten und Analysen gibt, zum anderen arbeitet er diese grafisch so auf, dass sie leicht verstanden werden können. Auf diese Weise behalten auch Einsteiger deutlich schneller den Überblick über die wichtigsten Kennzahlen und Daten und können so fundierte Investitionsentscheidungen treffen.

  1. Skaffold

Auch Skaffold ist eine App, die die Geldanlage für Privatanaleger deutlich vereinfachen soll und dabei ähnlich funktioniert. Auch hier werden auf Grundlage der Daten leichter verständliche Grafiken erzeugt. Skaffold hat sich in der Vergangenheit als einer der Marktführer etablieren können und kann auf zahlreiche positive Kritiken stolz sein.

  1. StockTwits

StockTwits ist eine Social Media-Plattform, die bereits 2008 gegründet wurde. Sie soll es ihren Nutzern ermöglichen, Ideen und Einschätzungen zwischen Investoren, Unternehmern und Investoren auf unkomplizierte Art und Weise zu teilen.

  1. MyReturn

MyReturn ermöglicht es Privatanlegern, verschiedene Depotzusammensetzung zu simulieren, um so ein besseres Verständnis des Renditedreiecks zu erhalten. Dafür nutzt die App der Privatbank Donner & Reuschel Daten von 1998 bis 2011.

  1. iBillionaire

Wichtige App für alle, die es den Top-Investoren nachmachen wollen. iBillionaire trackt die Top-Investoren und informiert über deren Käufe und Verkäufe.

Viele Neuentwicklungen geplant

Einen Finanzberater können die Apps also noch lange nicht ersetzen. Allerdings werden die Apps umfangreicher und bieten immer mehr Funktionen. Vor allem in der Versicherungsbranche werben gleich mehrere Apps um Kunden. So sollen beispielsweise mit der Versicherung-App Safe oder dem Berliner Pendant feelix gleich zwei Apps auf den Markt kommen, die es ermöglichen sollen, die Versicherungsunterlagen zu verwalten, abzuschließen und sich beraten zu lassen.

feelix ist dabei bereits gestartet und ist vor allem im Bereich Vertragsmanagement eine Bereicherung. Dabei soll die App nach und nach deutlich erweitert werden. Die App ist für den Kunden kostenlos, was allerdings natürlich ein Problem sein kann. Derzeit finanziert sie sich durch Einnahmen einer Servicegebühr der Partnerunternehmen. Wären diese nicht mehr bereit, die Gebühr zu übernehmen, würden dementsprechend auch die Angebote des Unternehmens bei einer Beratung – deren Einführung geplant ist – berücksichtigt werden. Es handelt sich also um kein unabhängiges Programm, auch wenn die Idee grundsätzlich sehr vielversprechend ist.

Automatisierter Handel nimmt zu

Börsen berichten davon, dass der Umsatz inzwischen ungefähr zur Hälfte durch den automatisierten Handel verursacht wird. Allein zwischen 2004 und 2006 soll sich der automatisierte Handel an der EUREX vervierfacht haben.

Dabei nutzen auch Privatanleger immer häufiger automatisierte Handelssoftware. Sie kann es ermöglichen, den Faktor Mensch aus den Strategien fast vollständig herauszunehmen und so Handelsstrategien erfolgreich zu nutzen. Dabei werden allerdings grundsätzlich zwei unterschiedliche Arten des automatisierten Handels unterschieden:

  1. Algorithmic Trading zur Unterstützung bei der Orderaufgabe

Algorithmischer Handel bietet eine hohe Geschwindigkeit bei der Platzierung der Orders. Der PC kann dabei sogar selbst über wichtige Eigenschaften der Trades entscheiden. Hierzu zählen beispielsweise Zeitpunkt, Preis oder Volumen der Order. Der Algorithmus legt dabei beispielsweise fest, dass große Orders in mehrere kleine Trades aufgeteilt werden und führt diese zu besonders günstigen Zeitpunkten durch.

  1. Automatisierter Handel als Unterstützung bei Entscheidungen

Dies ist die Art von automatisiertem Trading, das am bekanntesten ist. Der PC generiert dabei selbständig Kauf- und Verkaufssignale, die er dann in der Regel außerdem eigenständig umsetzt. Ist dies der Fall, wird auch von einem Autopiloten gesprochen.

Der algorithmische Handel liegt dabei üblicherweise beim Broker, währende der automatisierte Handel, beispielsweise mit Autopiloten, auch beim Trading von Privatanlegern immer häufiger gefunden wird.

Zudem können beim automatisierten Handel noch weitere Arten unterscheiden:

  • Flash Trading
  • High Frequency Trading
  • Algo Trading

Bei vielen Problemstellungen und Definitionen herrscht zudem derzeit noch keine Einigkeit in der Fachliteratur. Dafür ist das Feld zu neu, zu divers und zu umfangreich.

Welche Vorteile bietet der automatisierte Handel?

Einen PC den Handel übernehmen zu lassen und am Ende des Handelstages ohne Arbeit reicher zu sein als noch zu Beginn, klingt für viele Anleger sehr verlockend. Ganz so einfach ist es jedoch auch nicht. Der automatisierte Handel sollte dauerhaft überwacht werden, um Fehlentwicklungen zu erkennen und zu verhindern. Darüber hinaus bietet der automatisierte Handel allerdings einige Vorteile.

  • Ein PC kann innerhalb von Bruchteilen von Sekunden weit mehr Daten erfassen und verarbeiten, als ein Mensch jemals könnte.
  • Dementsprechend kann das automatisierte Handelssystem mehr Faktoren und Wissen in die Handelsentscheidung einfließen lassen.
  • Automatisierter Handel ist dementsprechend schneller und kann fundierter sein.
  • Ein PC ermüdet nicht und kann somit rund um die Uhr Handelsentscheidungen treffen.
  • Das Trading findet ohne Emotionen statt.
  • Auch das Risiko-Management kann automatisiert werden und wird dann zuverlässiger durchgeführt.

Allerdings gilt beim automatisierten Handel, dass das Programm nur so klug sein kann, wie der Mensch, der es entwickelt hat. Es kann nur das ausführen, was sein Entwickler ihm vorgibt. Das bedeutet, dass auch ein Autopilot oder Trading-Bot zum einen niemals besser sein kann als die dahinter steckende Theorie. Zum anderen bedeutet dies jedoch auch, dass der Trader, der den Bot entwickelt, die Sprache verstehen können muss, die der Bot spricht. Sonst kommt es zwangsweise zu Fehlentscheidungen und der Bot kann das Wissen des Traders nicht umsetzen.

Immer geringere Einstiegshürden für Privatanwender

Der automatisierte Handel kann inzwischen problemlos und teils sogar ohne Mehrkosten auch von Privatanlegern genutzt werden. Die klassische Vorgehensweise wäre hierbei zum einen die Nutzung der Handelsplattform MetaTrader. Es handelt sich dabei um eine relativ professionelle und funktionsreiche Software, die das Trading der meisten Finanzprodukte und Basiswerte ermöglicht. Die Nutzung von MetaTrader ist dabei bei vielen Brokern kostenfrei möglich. Wer sich nicht auf eines dieser Angebote verlassen möchte, kann die kostenfreie Demovariante nutzen und muss danach für das Programm bezahlen.

Dieses wird dann mit einem sogenannten Expert Advisor ergänzt, der üblicherweise vor allem im Forex-Handel Verwendung findet. Expert Advisor gibt es in nahezu jeder Preisklasse. Viele bieten sie auch kostenfrei an. Es handelt sich dabei um eine Art Trading-Bot, der den Markt erst analysiert und dann anhand der in ihm eingespeicherten Handelsstrategie Trades tätigt.
Der Vorteil dieser Expert Advisors in Verbindung mit MetaTrader 4 ist die Tatsache, dass die Programmiersprache relativ leicht zu verstehen ist. Auf diese Weise können Trader ihren Expert Advisor selbstständig weiterentwickeln und so ihre eigene Handelsstrategie leicht automatisieren.

Und auch wer nicht mit MetaTrader arbeiten möchte, hat verschiedene andere Möglichkeiten. Als Alternativen zum MetaTrader empfehlen sich vor allem Ninja Trader und Trade Station, die ebenfalls die Nutzung von Trading-Bots ermöglichen. Die Community und somit auch die Unterstützung bei Fragen und Problemen sind hier im Vergleich allerdings leicht eingeschränkt.

Fazit:

Auch für Privatanleger spielen computergestützte Lösungen eine immer wichtigere Rolle. Auch wenn das Ende der Entwicklungsmöglichkeiten bei Weitem noch nicht erreicht ist, gibt es viele vielversprechende Ansätze, die bereits jetzt das Anlageverhalten revolutionieren können. Apps sorgen für ein besseres Verständnis von Finanzdaten und helfen bei der Verwaltung der Geldanlage, wer hingegen tradet kommt inzwischen um einen Trading-Bot kaum noch herum. Die Geldanlage hat sich also bereits jetzt schon für Privatanleger geändert und ermöglicht fundiertere Entscheidungen.

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