Investieren in Mikrokredite » Das sollten Investoren 2018 wissen

Investieren in Mikrokredite » Das sollten Investoren 2018 wissen

Investieren in Mikrokredite

Mikrofinanzfonds oder Vermittlungsplattformen  erlauben es auch Privatanlegern, in die Vergabe von Mikrokrediten zu investieren. Die Rendite ist dabei nicht übermäßig hoch, das Risiko allerdings auch nicht. Anleger können zudem in eine Anlageform investieren, die wie kaum eine andere als ethisch und nachhaltig gilt.

Wie funktionieren Mikrokredite?

Mikrokredite sind Kleinstkredite, die selten überhaupt vierstellige Eurobeträge erreichen. Sie sollen es Kleingewerbetreibenden in Entwicklungs- und Schwellenländern ermöglichen, ihre Geschäftsidee zu realisieren oder bestehende Geschäfte weiter auszubauen.

Hintergrund ist der Umstand, dass finanzschwache Kleingewerbetreibende üblicherweise keine Bankenkredite in Anspruch nehmen können. Sie können keine Sicherheiten stellen und außerdem ist der Aufwand pro Kredit Geldinstituten in der Regel zu hoch. Wer dennoch einen Kredit benötigt, wird deswegen häufig Opfer von Kredithaien oder sind von Kreditvermittlern abhängig. Mikrokredite sollen genau diese Menschen unterstützen.

Bei Mikrokrediten handelt es sich um eine Form der Entwicklungshilfe, die allgemein sehr anerkannt ist. Dadurch, dass die Kreditnehmer ein hohes Maß an Selbständigkeit aufweisen müssen und gerade nichts „geschenkt“ bekommen, handelt es sich lediglich um Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel ist es, den Lebensstandard in den ärmeren Bevölkerungsschichten zu heben und so auch die Wirtschaft der gesamten Region zu stärken.

Welche Nachteile haben Mikrokredite?

Wie jede Form der Entwicklungshilfe sind Mikrokredite allerdings nicht völlig unumstritten. Es wurden in der Vergangenheit von verschiedenen Sozialwissenschaftlern und Wirtschaftsexperten Kritik an den Krediten geäußert:

  • Mikrokredite verstärken die Vereinzelung der Menschen und „privatisieren“ gesellschaftlich verursachte Not und würden damit verhindern, dass sich die Betroffenen zusammentun, um politisch gegen Armut vorzugehen.
  • Menschen müssen bis zu einem gewissen Grade „wohlhabend“ sein, um überhaupt einen Kredit zu erhalten. An den ärmsten Menschen geht diese Möglichkeit vorbei.
  • Mikrofinanzinstitutionen verlangen durchschnittlich Zinsen in Höhe von knapp 40 % jährlich.

Wie funktionieren Mikrokreditfonds?

Mikrokreditfonds sammeln das Geld der Anleger oder anderen Investoren und arbeiten in der Regel vor Ort mit Mikrofinanzdiensten zusammen, die geeignete Kreditnehmer finden. Sie geben den Kredit dann zu einem in der Regel recht hohen Zinssatz weiter. Hinzu kommen häufig noch einige Zusatzleistungen wie beispielsweise die umfangreiche Beratung oder die Vermittlung von betriebswirtschaftlichen Hintergründen, die für den Erfolg des Geschäfts notwendig sind.

ETF Consos

Bei der Consorsbank lassen sich verschiedene ETFs handeln

Für Anleger bedeutet dieses Vorgehen, dass die Rendite mehr oder weniger gedeckelt ist. Es gibt keine Möglichkeit, eine Performance zu erzielen, die höher ist als die Zinsen, die die Kreditnehmer bezahlen müssen. Auch wenn diese recht hoch sind, gehen für Vermittlung, Bürokratie und andere Kosten so viele Gebühren ab, dass die Rendite deutlich geschmälert wird.

In Deutschland sind Mikrokreditfonds eine relativ junge Entwicklung. Vor 2011 war die Auflage solcher Fonds gesetzlich nicht möglich und Anleger mussten auf ausländische Angebote zurückgreifen. Inzwischen gibt es allerdings mehrere interessante Fonds. Grund für das Verbot war auch die Tatsache, dass Mikrofinanzinstitute alles andere als einheitlich sind. Eigenständig entstandene Institute vergeben genauso Geld wie Ausgliederungen von Stiftungen oder Entwicklungsbanken, manche sind reguliert, andere unreguliert. Auch die gesetzlichen Bestimmungen der Heimatländer sind häufig sehr unterschiedlich, sodass es schwierig ist, die in Deutschland herrschenden Anforderungen zu erfüllen. Dementsprechend war es nur durch eine Gesetzesänderung möglich, derartige Fonds hier aufzulegen.

Alternativen zu Fonds: Vermittlungsplattformen

Wer nicht über einen Fonds investieren, sondern die Kreditnehmer selbst auswählen möchte, hat hierzu inzwischen die Möglichkeit, Plattformen zu nutzen, die die Mikrokredite vermitteln. Sie funktionieren im Prinzip genauso wie die bekannten Vermittlungen von Privatkrediten, die in Deutschland bekannt sind. Junge Menschen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern können ihr Projekt oder ihre Geschäftsidee vorstellen. Bekanntere Anbieter sind:

  • Zidisha
  • Bluebees
  • Myc4
  • Kiva
  • Deki

Sie alle bringen Kreditnehmer von Mikrokrediten mit Geldgebern aus dem Westen zusammen. Das Investment durchzuführen könnte dabei kaum leichter sein. Der Kreditgeber sucht ein Projekt aus, dass er fördern möchte und entschließt sich für die Höhe des Betrages, den er dem Kreditnehmer zur Verfügung stellen möchte. Mögliche Projekte sind beispielsweise:

  • Finanzierung der Hühner und Enten für eine Geflügelfarm
  • Ersatzteile für ein Motorrad-Taxi
  • Erweiterung einer Bücherei
  • Ein Jungtier, um eine bestehende Kuhherde vergrößern zu können

Je nach Plattform ist es dabei sogar möglich, mit den Projektleitern in Kontakt zu treten, um weitere Informationen zu erhalten. Viele der Teilnehmer arbeiten zudem bereits seit Längerem mit einer Plattform zusammen und konnten bereits Kredite zurückzahlen und erhalten dementsprechend positive Bewertungen, die die Kreditgeber bei der Auswahl unterstützen können.

Ein Vorteil für Interessenten sind die geringen Einstiegshürden. Die Mindestsumme, mit der in Projekt gefördert werden kann, schwankt je nach Anbieter zwischen einem und 25 US-Dollar.

Wenn ein Kreditgeber sich für ein bestimmtes Projekt und den dazugehörigen Betrag entschieden hat, zahlt er diesen unkompliziert über Zahlungsmethoden wie PayPal oder Kreditkarte ein. Ist das Projekt durch die Crowd finanziert, erhält der Kreditnehmer den Betrag und kann es dadurch realisieren.

Die Plattformen arbeiten in der Regel als Non-Profit-Organisationen und ermöglichen so die kostengünstige Weitergabe der Kredite.

Sparkonten als dritte Alternative

Eine weitere Möglichkeit sind Sparkonten, bei denen das eingezahlte Kapital für die notwendige Liquidität von Firmen sorgt, die Mikrokredite vergeben. Ein bekannteres Beispiel hierfür ist die Kooperation von GLS Bank und Oikokredit. Der Kunde eröffnet dabei ein Sparkonto bei der GLS Bank und zahlt dort eine Mindesteinlage von 100 Euro ein. Dann funktioniert das Konto so, wie üblicherweise von Sparkonten gewohnt. Es hat keine Mindestlaufzeit und bis zu 2.000 Euro monatlich sind vorschusszinsfrei monatlich verfügbar.

Welche Rendite bieten Mikrokredite bei welchem Risiko?

Mikrokredite gelten grundsätzlich als sehr risikoarm. Wie hoch das Risiko ist, hängt natürlich auch davon ab, welche Art des Investment der Anleger wählt. Eine Förderung eines spezifischen Projektes ist aufgrund eines immer bestehenden Ausfallrisikos beispielsweise deutlich riskanter als das Investment in einen Fonds, bei dem alle Anteilseigner das Risiko tragen und so abfangen.

Dafür ist die Rendite bei der direkten Kreditvermittlung allerdings auch höher. Der Anleger kann hier sogar häufig die Höhe der Zinsen selbst bestimmen. Im Durchschnitt wählen Investoren hier eine Rendite von sechs Prozent, möglich sind zwischen null und zehn Prozent. Bei Mikrokreditfonds ist die Rendite in der Regel eher in einem Bereich zwischen zwei und vier Prozent angesiedelt.

Allerdings gilt grundsätzlich, dass das Ausfallrisiko von Mikrokrediten sehr gering ist. So zahlen 95 % aller Kreditnehmer ihr Darlehen inklusive Zinsen zurück. Alleine die Tatsache, dass die Zinsen beim Verbraucher deutlich höher sind, zeigt, dass es sich in der Regel um sehr sorgfältig ausgewählte Geschäfte und Kreditnehmer handelt und so das Risiko reduziert wird.

Ein Vorteil der Mikrokredite ist zudem, dass diese von der Weltwirtschaft relativ unabhängig sind. Mikrofinanzfonds zählen zu den Geldanlagen, die kaum Volatilität aufweisen. Selbst wenn die Börsen der Welt erzittern liefern sie ihre Rendite außerordentlich zuverlässig. Möglich ist dies auch deswegen, weil die geforderten Unternehmen letztlich notwendigen Produktionen und Wirtschaftszweigen zugerechnet werden. Sie bleiben auch in diesen Zeiten häufig zahlungsfähig, da die Nachfrage durch Weltwirtschaftskrisen nicht geringer wird.

Relevante Risiken, die gerade in der Landwirtschaft zu einem großen Problem werden können, sind hingegen Naturkatastrophen und Ernteausfälle.

Bei Sparkonten ist aufgrund der schlechten Zinslage derzeit überhaupt keine feste Rendite zu verzeichnen. Üblicherweise bewegen sich die Renditen in einem Bereich, der auch mit Festgeld erreicht werden kann.

Ein weiteres Risiko kann zudem durch einen Boom der Anlageform entstehen. So hatten beispielsweise viele Fonds um 2009/2011 das Problem, zu hohe Liquiditätsquoten aufzuweisen. Dies erhöht das Risiko einer Blasenbildung. Kredite werden dann auch dann vergeben, wenn die Ausfallwahrscheinlichkeit höher ist und das Geschäft wird generell für Missbrauch interessanter. Ein professionelles Fondsmanagement kann hier allerdings in der Regel entgegensteuern und ist für derartige Probleme sensibilisiert.

Welches ist die beste Möglichkeit, in Mikrokredite zu investieren?

Die Beantwortung dieser Frage hängt maßgeblich davon ab, welche Ziele der Anleger mit diesem Investment verfolgt. Geht es nur darum, dass die Vergabe von Mikrokrediten unterstützt werden soll, ist ein Sparkonto eine gute Wahl. Die Einrichtung kostet nichts, allerdings erhält der Anleger derzeit auch keine Zinsen. Er zahlt also im Prinzip die Inflationsrate, um Geld für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Etwas riskanter und renditeträchtiger ist das Investment in Mikrokredit-Fonds. Hier ist in der Regel eine sehr gute Diversifikation in verschiedene Länder, Projekte und Branchen vorhanden, sodass das Ausfallrisiko sehr gering ist. Allerdings müssen Anleger, die sich vor allem wegen der sozialen und ethischen Komponente für diese Form der Geldanlage entscheiden, besonders darauf achten, welche Mikrokredit-Vermittler vom Fonds gefördert werden. In der Vergangenheit wurde immer wieder von Missbrauch und überzogenen Zinsen berichtet, die teilweise nicht zahlenden Kreditnehmern sogar Gewalt androhten und antaten.

Wesentlich leichter ist die Auswahl bei Vermittlungsplattformen. Der größte Vorteil hierbei ist sicherlich, dass der Anleger frei entscheiden kann, welches Projekt er fördern möchte. Das macht auch die soziale Komponente hinter der Geldanlage deutlich greifbarer. Zudem ist auch ein Vorteil, dass er selbst hier mit Kleinstbeiträgen investiert sein kann. Teilweise beginnen die Mindesthöhen bereits bei einem Euro. Er kann das Risiko also auch bei einem geringen Kapital gut streuen. Pluspunkt ist die höhere Rendite, die er mitbestimmten kann. Ein Negativpunkt ist allerdings das Ausfallrisiko, das er für den von ihm investierten Betrag in der Regel alleine tragen muss.

Fazit:

Von Mikrokrediten können sowohl die Kreditnehmer als auch Privatanleger profitieren. Die Schuldner haben die Möglichkeit, überhaupt einen Kredit zu erhalten und Investoren können von der Rendite durch die Kreditzinsen profitieren. Auf diese Weise können beide Seiten gewinnen. Als Finanzprodukte stehen Sparkonten, Mikrokreditfonds und Vermittlungsplattformen zur Verfügung. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Mitbestimmungsrecht, Rendite und auch Risiko. Generell gilt allerdings für diesen Bereich, dass sowohl die Rendite als auch das Risiko eher gering ist.

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