Diversifikation – warum die Streuung des Kapitals so wichtig ist

Diversifikation – warum die Streuung des Kapitals so wichtig ist

Risikoanalyse von Aktiendepots

Der Aufbau und die Zusammensetzung des eigenen Portfolios sind von zentraler Bedeutung für den Anlageerfolg. Unabhängig von der persönlichen Risikoaversion, den bevorzugten Anlageprodukten oder dem zeitlichen Horizont sollte dabei jedes Portfolio möglichst stark diversifiziert werden. Grundsätzlich bedeutet Diversifikation ganz einfach, dass das Risiko einer Geldanlage auf mehrere Risikoträger verteilt wird. Das persönliche Kapital wird also nicht nur in ein einzelnes Wertpapier, sondern einen Mix aus unterschiedlichsten Finanzprodukten investiert.

Aus der Portfoliotheorie lernen

Die optimale Zusammensetzung eines Anlegerportfolios war bereits Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Auch für private Kleinanleger sind die Erkenntnisse der sogenannten Portfoliotheorie von Bedeutung. Bereits in den 1950er Jahren stellte der Wirtschaftsexperte Garry M. Markowitz diese Grundregeln für die Portfoliozusammensetzung auf:

  • Die Korrelation von Wertpapieren ist eine zentrale Kennzahl beim Portfolioaufbau.
  • Für ein hohes Maß an Diversifikation sollte die Korrelation negativ oder neutral ausfallen.
  • Positive Korrelation macht Depots anfälliger für Krisen.

Die Kennzahl Korrelation entstammt der mathematischen Statistik. Sie beschreibt grundsätzlich, wie stark zwei verschiedene Merkmale miteinander verknüpft sind. Im Falle der Portfoliotheorie sind diese beiden Merkmale einfach die Kurse zweier Wertpapiere A und B. Sind die Kurse positiv miteinander korreliert bedeutet das, dass sich die Kurse der beiden Wertpapiere tendenziell in dieselbe Richtung bewegen. Negative Korrelation meint hier hingegen, dass Kurssteigerungen von Wertpapier A mit Kursverlusten von Wertpapier B einhergehen. Ist die Korrelation neutral, ist kein Zusammenhang zwischen den jeweiligen Kursentwicklungen festzustellen.

Conosrs Tops

Tops und Flops können helfen ein Depot zu diversifizieren , Quelle: Consorsbank

Was bedeutet das für das Portfolio eines Anlegers? Grundsätzlich sollten die erworbenen Finanzprodukte eher negativ oder gar nicht miteinander korreliert sein. Bei positiver Korrelation könnten sonst etwa branchenspezifische Krisen für einen starken Wertverlust des kompletten Portfolios sorgen. Ein Beispiel für eine positive Korrelation von Wertpapieren sind der deutsche Leitindex DAX und der amerikanische Dow Jones. In vielen Fällen (nicht allen!) ist zu beobachten, dass Kurssteigerungen des DAX mit Kurssteigerungen des Dow Jones einhergehen. Hingegen ist die Korrelation zwischen DAX und asiatischen Märkten weniger stark ausgeprägt.

Wie kann effizient diversifiziert werden?

Diversifikation soll prinzipiell bewirken, dass die erläuterte Korrelation innerhalb eines Portfolios nicht allzu positiv ausfällt. Tendenziell ist die Korrelation zwischen Wertpapieren dann stark positiv, wenn diese aus denselben Branchen oder Wirtschaftsräumen kommen. Zusätzlich erfolgt eine effiziente Diversifizierungsstrategie durch die Verwendung unterschiedlicher Anlageprodukte. Auch die zeitliche Komponente kann bei der Diversifizierung eine Rolle spielen.

Art der Diversifizierung Beschreibung
Anlageklasse Anleger sollten nicht ihr komplettes Kapital in eine einzige Anlageklasse investieren. Selbst wer sehr risikofreudig ist, ist nicht gut beraten, sein komplettes Kapital in Aktien zu investieren. Sinnvoller ist es, einen Teil des Geldes etwa in Anleihen, Immobilien oder Festgelder zu investieren, um möglichen Börsencrashs vorzubeugen
Herkunftsland Allzu häufig investieren Anleger bevorzugt auf dem heimischen Markt. Viele wissenschaftliche Untersuchungen konnten etwa feststellen, dass deutsche Trader einen überproportional hohen Anteil an DAX-Aktien halten. Kommt es zu einer Wirtschaftskrise innerhalb Deutschlands, verliert das Portfolio so enorm an Wert.
Branche Ebenso wichtig ist die adäquate Diversifikation anhand der Branchen. Immer wieder begehen Anleger den Fehler und investieren einen Großteil ihres Kapitals in vermeintliche Boombranchen. Diese Blasen platzen häufig und sorgen nicht selten für Totalverluste des Kapitals. Bekannte Beispiele sind etwa die Dotcom-Blase, die im März 2000 platzte, oder die übermäßigen Investitionen in die Solarindustrie Mitte der 2000er.
Zeitraum Grundsätzlich ist es ratsam, für die persönliche Geldanlage einen recht genauen Zeithorizont zu definieren. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass nicht das komplette Kapital zu einem Zeitpunkt fällig werden sollte. Es ist ratsam, dass Finanzprodukte in regelmäßigen Abständen verkauft oder wie im Falle von Anleihen, Festgeldern und Co. fällig werden. So kann besser auf neue Anlagemöglichkeiten, Phasen niedriger Leitzinsen oder steigender Börsenkurse reagiert werden.

 

Der Aufbau eines diversifizierten Portfolios in 4 Schritten

Genug der Theorie, das folgende Beispiel soll zeigen, wie ein Portfolio effizient aufgebaut und entwickelt werden kann. Im Prinzip sind dazu lediglich 4 Schritte notwendig, die aber allesamt eine recht intensive

  1. Risiko bestimmen
    Anleger müssen zunächst bestimmen, wie hoch ihre persönliche Risikoaversion ist. Genauer gesagt, wird in Schritt 1 festgelegt, wie hoch der Aktienanteil im Portfolio ausfallen soll. Je höher der Anteil, desto höher das Risiko. Grundsätzlich gilt dabei: keept it simple. Wissenschaftler der Universität Mannheim haben herausgefunden, dass es nicht relevant ist, ob der Aktienanteil 35 oder 40 % beträgt. Lediglich größere Abweichungen von über 10 % machen sich renditetechnisch bemerkbar. Der Rest des Portfolios wird auf andere Finanzprodukte wie Anleihen, Fonds, Rohstoffe oder auch Immobilien aufgeteilt. Außerdem sollte ein gewisses Maß an Liquidität auf einem Tagesgeldkonto gehalten werden. Wer zusätzlich im Bereich Daytrading agieren möchte, kann hierfür ebenfalls einen bestimmten prozentualen Anteil des Portfolios bereithalten.
  2. Auswahl der Wertpapiere
    Ist das Grundgerüst aufgebaut, kann es an die Suche er eigentlichen Wertpapiere gehen. In den jeweiligen Anlageklassen werden dazu passende Finanzprodukte anhand aussagekräftiger Kennzahlen ermittelt. Zu beachten gilt es dabei insbesondere die bereits vorgestellten Möglichkeiten der Diversifikation. Das gilt nicht nur innerhalb der jeweiligen Anlageklassen, sondern auch zwischen den jeweiligen Finanzprodukten.
  3. In Etappen kaufen
    Die ausgewählten Wertpapiere sollten nicht zu einem fixen Zeitpunkt erworben werden. Es empfiehlt sich, die Investition auf mehrere Wochen aufzuteilen. So kann dem Risiko entgangen werden, dass sich die Kurse auf einem Wochenhoch befinden.
    Wer über etwas mehr Zeit verfügt, kann die ausgewählten Wertpapiere vor dem Kauf etwas länger beobachten, um deren Wertentwicklung besser einschätzen zu können. Dazu eignen sich etwa Demokonten von Brokern oder Watchlists.
  4. Kontinuität
    Das eigene Portfolio sollte regelmäßig überprüft werden. Regelmäßig bedeutet in diesem Fall, dass spätestens nach drei bis sechs Monate eine genauere Analyse erfolgen sollte. Es gilt, die Wertentwicklung der einzelnen Finanzprodukte genau zu überprüfen. Zusätzlich muss eine Prognose über die zukünftigen Kurse erstellt werden. Steigt der prozentuale Anteil einer Anlageklasse überproportional stark, muss unter Umständen reoptimiert werden. Wie bereits in Schritt 1 ersichtlich wurde, sollte die Neuorganisation aber nur bei signifikanten Abweichungen erfolgen.

Die aufgeführten Schritte gelten nicht nur für den Neuaufbau eines Portfolios. Auch wer sein Depot umstrukturieren möchte, kann den kurzen Leitfaden nutzen, um effizienter zu diversifizieren.

Consorsbank Analyse

Kennzahlen helfen mehr als reine Bauchgefühle , Quelle: Consorsbank

Diversifikation in hohem Maße – ein Musterportfolio

Wie Diversifikation in der Praxis aussieht, kann am effizientesten anhand eines Musterportfolios aufgezeigt werden. Es wird dabei von einem Anleger Anfang 30 ausgegangen, der über ein Vermögen im mittleren fünfstelligen Bereich und einen überdurchschnittlich bezahlten Beruf verfügt. Der beispielhafte Trader scheut das Risiko zwar nicht, setzt aber auch nicht bevorzugt aus riskante Anlagen, um möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Er ist aus einem Mix an Werterhalt – mit Hinblick auf die eigene Altersvorsorge – und Rendite interessiert.

  • Liquidität
    Die Liquiditätsquote des Anlegers fällt recht gering aus und liegt zwischen 5 und 10 %. Aktuell stehen keine besonderen Anschaffungen an. Zudem sorgt das überdurchschnittliche Gehalt dafür, dass unerwartete Ausgaben schnell gedeckt werden können.
  • Aktien
    Die Aktienquote würde auf Basis des Anlegerprofils zwischen 40 und 50 % liegen. Der Anleger investiert sein Kapital global, um das Portfolio zu diversifizieren. Dazu kauft er keine einzelnen Aktien, sondern investiert sein Kapital in ETFs.
  • Europäische Staatsanleihen
    Um ein gewisses Maß an Sicherheit für das Portfolio zu schaffen, erwirbt der Anleger einige europäische Staatsanleihen. Berücksichtigt werden dabei nur Anleihen von finanziell stabilen Nationen wie Deutschland, Belgien oder den Niederlangen. Auf riskante Anlagen wird in diesem Bereich verzichtet.
  • Unternehmensanleihen
    Die Anleihen von Unternehmen sind in der Regel deutlich riskanter als Staatsanleihen. Aber auch in diesem Bereich existieren starke Bonitätsunterschiede zwischen den Konzernen. Anleihen sind insofern interessant, als dass sie zu einem fixen Zeitpunkt fällig werden. Die Anleihen großer Konzerne können aber gleichzeitig an der Börse gehandelt und verkauft werden, wenn das Kapital benötigt wird.
  • Immobilienfonds
    Der Anleger verfügt nicht über ausreichend Kapital, um aktiv in Immobilien zu investieren. Immobilien stellen aber ein gutes Instrument dar, um das Portfolio zu diversifizieren. Daher kauft der Anleger Anteile an einem Immobilienfonds. Zu beachten gilt es, dass die Kosten für Immobilienfonds recht hoch sind. In der Regel müssen die Anteile mindestens sieben bis zehn Jahre gehalten werden, damit sie eine attraktive Rendite abwerfen. Auch die Mindestanlagesumme liegt meist bei rund 5.000 Euro.
  • Rohstoffe
    Ein kleiner Teil des Kapitals wird zudem in Rohstoffe investiert. Öl, Gold und Co. werden dabei nicht physisch erworben, sondern über ETFs gekauft. Die Fonds bilden dann die Wertentwicklung bestimmter Rohstoffe 1:1 nach und ermöglichen so eine Partizipation an den Kursverläufen.

Wie erwähnt handelt es sich bei diesem Musterportfolio lediglich um ein Beispiel. Allerdings wird trotzdem deutlich, dass der betrachtete Anleger auf die theoretisch erläuterten Aspekte der Diversifikation in der Praxis umgesetzt hat.

Fazit: Diversifikation als zentraler Bestandteil des Portfolioaufbaus

Ohne Diversifikation kein langfristiger Anlageerfolg. Zu groß ist die Gefahr, dass Branchenkrisen oder wirtschaftliche Schwächephasen in bestimmten Nationen für einen starken Wertverlust des Portfolios sorgen. Wer sein Portfolio adäquat diversifizieren möchte, sollte also auf unterschiedliche Finanzprodukte aus jeweils unterschiedlichen Ländern und Branchen setzen. Möglichst ist das vor allem durch ETFs. Die Fonds bilden die Wertentwicklung einer Vielzahl von Finanzprodukte ab.

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