Crowd Investing

Was Sie über Crowdinvesting wissen müssen!

Im Rahmen des Crowdinvesting investieren Kleinanleger auf der ganzen Welt inzwischen Milliarden in junge Unternehmen, mit dem Ziel, von dem enormen Wachstumspotenzial von Startups profitieren zu können. Allerdings ist das Investment auch mit einigen Nachteilen verbunden, die Anleger kennen sollten.

Was ist Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist ein vergleichsweise neue Finanzierungsform, die es Privatanlegern ermöglicht, gemeinsam Venture Capital für Startups bereitzustellen. Es handelt sich dabei in der Regel um Mikroinvestoren, die gemeinsam einen deutlich höheren Kapitalbedarf als einzeln decken können. Häufig ist die Anzahl der Investoren einer einzelnen Crowdinvesting-Aktion drei- bis vierstellig.

Im Gegenzug für die Bereitstellung des Kapitals werden die Investoren am Gewinn des Unternehmens, an Exit-Erlösen oder am Wachstum des Unternehmenswertes beteiligt. Die Unternehmen selbst suchen über das Internet Kapitalgeber und nutzen dafür in der Regel Crowdinvesting-Plattformen, um Geldgeber von dem Investment zu überzeugen.

Hierfür werden fast immer die folgenden Beteiligungsformen genutzt:

  • Partiarisches (Nachrang-)Darlehen
  • Genussrechte
  • Stille Beteiligung

Im Gegensatz zum Crowdfunding hat Crowdinvesting in der Regel die klare Absicht, wirtschaftliche Gewinne zu erzielen. Im Crowdfunding werden hingegen eher gemeinnützige oder künstlerische Projekte gefördert, sodass sich hierbei eher um Spenden, Sponsoring oder Mäzenatentum handelt.

Die Crowdinvesting-Plattformen erheben für die Vermittlung Gebühren, die je nach Anbieter von den Investoren, den Startups oder beiden gleichzeitig erhoben werden. Teilweise sind sie zudem an einen Erfolg geknüpft.

Crowdinvesting geschieht dann, wenn viele Mikroinvestoren Kapital für ein junges Unternehmen bereitstellen und im Gegenzug am Gewinn beteiligt werden.

Wie läuft Crowdinvesting ab?

Crowdinvesting erfordert in der Regel nur wenige Schritte.

  • Die Kapitalsuchenden entscheiden sich für eine Plattform und stellen dort Informationen über ihr Projekt zur Verfügung. In der Regel ist es für eine erfolgreiche Kampagne notwendig, ausreichend Videos, schriftliche Informationen und Finanzdaten zur Verfügung zu stellen.
  • Die Plattform überprüft die eingereichten Informationen und legt fest, ob das Unternehmen mit seinen Kapitalforderungen zur Plattform passt. Ist dies der Fall, veröffentlicht sie die Daten des Projektes auf der Online-Präsenz.
  • Der Anleger sucht nach einem geeigneten Projekt auf verschiedenen Plattformen. Alternativ dazu kann sich der Anleger natürlich auch zuerst für eine Plattform und dann für ein Projekt entscheiden, grundsätzlich raten wir jedoch dazu, den Unternehmen die Hauptaufmerksamkeit zu widmen.
  • Innerhalb des Funding-Zeitraumes können sich Interessenten am Start-Up beteiligen.
  • Wird die Mindestfinanzierung erreicht, erhält das Unternehmen die finanziellen Mittel und kann sie wie angekündigt verwenden. Im Anschluss daran informiert es die Mikroinvestoren mit Informationen über die finanzielle Entwicklung. Wird der Betrag nicht erreicht, erhalten alle Mikroinvestoren ihr Geld zurück.
  • Wenn das Projekt erfolgreich ist, erhalten die Mikroinvestoren den vereinbarten Gewinn.

Crowdinvestoren und Startups werden über spezialisierte Plattformen aneinander vermittelt. Nur wenn der Mindestbetrag der Finanzierung erreicht wird, erhält das Unternehmen das Geld des Kleinanlegers.

Welche Konditionen gibt es beim Crowdinvesting?

Es gibt inzwischen viele unterschiedliche Anbieter im verschiedenen Projekten und diversen Bedingungen, sodass sich die Konditionen sehr unterscheiden können. Allerdings können folgende ungefähre Aussagen getroffen werden:

  1. Wie hoch ist der Investitionsbetrag beim Crowdinvesting?

Der Mindestbetrag beginnt bei einigen Plattformen schon zwischen fünf und zehn Euro. 50 bis 100 Euro sind jedoch häufiger und bei so gut wie allen Anbietern sind Investitionen ab 250 Euro möglich. Nur wenige Anbieter fordern 1.000 Euro oder noch mehr.

Begrenzt sind die Investitionen aufgrund der Prospektpflicht bei maximal 100.000 Euro. Viele Plattformen deckeln Investitionen allerdings schon bei 10.000 Euro oder machen eine Rücksprache mit dem Kundenservice erforderlich.

  1. Wie lang ist die Mindestlaufzeit?

Die Mindestlaufzeiten der Beteiligungen schwanken zwischen zweieinhalb und sechs Jahren. Ein längerer Zeitrahmen ist fast immer empfehlenswerter.

  1. Was erhalte ich für mein Investment?

In der Regel wird der Gewinn anteilig ausbezahlt. Der Anleger kann jedoch auch von größeren Unternehmen aus seiner Beteiligung „herausgekauft“ werden. In manchen Fällen wird auch eine feste Verzinsung vereinbart.

Darüber hinaus ist es bei manchen Plattformen möglich, dass die Unternehmen ihren Anlegern zusätzliche Gimmicks bieten, wie beispielsweise Gutscheine für die Produkte oder andere mit dem Unternehmen verknüpfte Services.

  1. Was geschieht bei einer Insolvenz?

In der Regel handelt es sich bei den Beteiligungen um Darlehen, die gegenüber anderen Ansprüchen nachrangig behandelt werden. Eine Ausnahme ist das Eigenkapital. Allerdings ändert dies nichts daran, dass das investierte Kapital dann mit sehr großer Sicherheit weg ist und nicht zurückgezahlt werden wird.

Innerhalb der einzelnen Plattformen sind die Konditionen sehr unterschiedlich. Investitionen sind jedoch fast immer im Bereich von Kleinstbeträgen möglich. Das Kapital wird mittel- bis langfristig gebunden und kann auch weitere Vergünstigungen bedingen. Allerdings ist es bei einer Insolvenz in der Regel nicht zu retten und der Anleger erhält kein Mitspracherecht.

Welche Unterschiede gibt es bei den Beteiligungsformen?

Eine stille Beteiligung ist seit jeher unter Investoren die wohl beliebteste Möglichkeit, sich an Unternehmen zu beteiligen, solange sie keine Einflussmöglichkeiten wünschen. Der Anleger erhält also kein aktives Mitsprachrecht in der Unternehmensführung, wird jedoch finanziell an Gewinnen oder am Verkaufserlös des Unternehmens beteiligt. Allerdings besteht keine Nachschusspflicht und bei Insolvenzen oder Liquidationen werden Ansprüche aus einer stillen Beteiligung vorrangig zum Eigenkapital bedient.

Demgegenüber sind partiarische Darlehen oder Genussrechte ein Kreditverhältnis, das auch als Mezzanine-Kapital bezeichnet wird, und mit einer Erfolgsbeteiligung gekoppelt ist. Auch hier ist eine Beteiligung an Verlusten ausgeschlossen und der Anleger erhält kein Mitsprachrecht. Partiarische Darlehen werden gegenüber anderen Forderungen im Insolvenzfall nachrangig behandelt, jedoch noch vor dem Eigenkapital bedient.

Crowdinvesting befreit in der Regel von einer Nachschusspflicht, bietet jedoch auch keine Möglichkeit der Mitsprache. Gegenüber anderen Gläubigern werden Crowdinvestoren fast immer nachrangig behandelt.

Welche Plattformen gibt es?

In Deutschland sind vor allem die folgenden Plattformen beliebt:

  • Seedmatch.de: Der wohl größte und bekannteste Anbieter in Deutschland.
  • Deutsche-mikroinvest: Eine schöne Auswahl an interessanten Startups und eine hohe Aktivität machen Deutsche Mikroinvest zu einer der wichtigsten Crowdfundingplattformen in Deutschland.
  • de: Eine sorgfältige Auswahl an größtenteils eher kleinen Startups und Unternehmen mit Anschlussfinanzierungsbedarf.
  • de: Innovestment bietet die Möglichkeit, Unternehmensbeteiligungen im Rahmen von Auktionen zu handeln, um faire und marktgerechte Preise zu erzielen.
  • de: Conda ist eine Crowd-Funding-Plattform für ambitionierte Startups, deren Geschäftstätigkeit in der D-A-CH-Region liegt.
  • Bergfürst.com: Einer der wenigen Anbieter mit BaFin-Zulassung, die Anteile sind auf der Webseite auch nach dem Kauf handelbar. Inzwischen hauptsächlich Immobilienangebote.

Die Angebotsvielfalt hat sich innerhalb von nur wenigen Jahren deutlich vervielfacht, sodass inzwischen einige ernstzunehmende Vermittler miteinander konkurrieren.

Was sind die Nachteile von Crowdinvesting?

  • Crowdinvesting ist aufgrund der hohen Insolvenzquote neuer Unternehmen keine sichere Geldanlage. Ein Totalverlust droht zu jedem Zeitpunkt.
  • Das eingesetzte Kapital ist über Jahre gebunden. Ein vorzeitiger Ausstieg ist so gut wie unmöglich, zumal es derzeit keinen Handelsplatz gibt, um derartige Anteile zu handeln.
  • Bei den meisten Plattformen erhält der Anleger keinerlei Mitbestimmungsrecht.
  • Crowdinvesting kann die Anschlussfinanzierung aufgrund der vielen Verträge deutlich verkomplizieren. Dies kann zwei Nachteile zur Folge haben: Zum einen kann das Unternehmen aufgrund der fehlenden Finanzierung wirtschaftliche Probleme bekommen, zum anderen müssen Kleinanleger beim Einstieg anderer Investoren Nachteile in Kauf nehmen. Dies gilt zum einen hinsichtlich der Verwässerung des Kapitals, zum anderen können Übernahmen der Anteile häufig forciert werden.
  • Zwischen Startup und Investoren können sich häufig Interessenskonflikte der Plattformen Diese lösen manche bevorzugt zugunsten des Startups. Dies ist allerdings auch sinnvoll, da ein erfolgreiches Unternehmen auch den Erfolg der Anleger sichert.
  • Einer der größten Nachteile kann die Tatsache sein, dass Crowd-Investoren häufig schlechter informiert sind als andere Investoren. Grund dafür ist, dass sich durch die kleinen Investitionsbeträge ein Aufwand für eine gründliche Prüfung nicht lohnt.

Nachteile des Crowdinvesting können fehlende Investitionen, ein hohes Verlustrisiko, eine Begünstigung des Startups in rechtlichen Fragen, Probleme mit der Anschlussfinanzierung und eine langfristige Bindung des Kapitals sein. Auch ein Mitspracherecht erhalten Investoren nicht.

Was sind die Vorteile von Crowdinvesting?

Crowdinvesting ermöglicht es Privatanlegern, auch mit sehr geringen Beiträgen in sehr junge Unternehmen zu investieren. Dies hat zwei Vorteile: Zum einen können sie von den beachtlichen Renditechancen profitieren, zum anderen können sie ihr Risiko durch die geringe Kapitalanforderung auch bei wenig zur Verfügung stehendem Kapital ausreichend streuen.

Einer der wohl größten Vorteile des Crowdinvestments ist die Tatsache, dass Anleger sich die Unternehmen, die sie fördern möchten, gezielt selbst aussuchen können. Bislang war es für Anleger mit geringem Kapital kaum möglich, überhaupt in Startups zu investieren. Der einzige Weg führte über Venture Capital Fonds, bei denen der Anleger jedoch maximal die Branche auswählen konnte. Zudem ist auch die Transparenz der einzelnen Angebote auf den jeweiligen Plattformen deutlich größer.

Zudem schätzen viele Anleger auch die zugrundeliegende Idee. Viele junge Unternehmen haben gerade in Deutschland in der Anfangsphase große Probleme damit, genügend Fremdkapital aufzubringen. Das führt dazu, dass viele gute Geschäftsideen niemals umgesetzt werden können oder sich mutige Unternehmer aufgrund von Finanzierungsengpässen nicht auf dem Markt behaupten können, obwohl sie vielversprechende Produkte bieten. Junge Unternehmen sind ein großes Risiko und deswegen ist es betriebswirtschaftlich gesehen nicht immer sinnvoll, in sie zu investieren. Crowdinvesting ermöglicht es auch Kleinanlegern, geringe Beträge zu investieren. Auf diese Weise sinkt das Risiko des einzelnen Anlegers und junge Unternehmen mit guten Geschäftsideen erhalten deutlich eher das notwendige Kapital.

Crowdinvesting ermöglicht es, eine beachtliche Rendite zu erzielen und kann das Problem lösen, dass in Deutschland zu wenig Wagniskapital zur Verfügung gestellt wird. Anleger können sich förderungswürdige Unternehmen selbst aussuchen und haben deutlich mehr Kontrolle über ihre Anlage, als dies beispielsweise bei Fonds der Fall ist. Zudem können sie aufgrund der Kleinstbeträge eine gute Risikostreuung auch mit geringem Kapital erzielen.

Fazit:

Crowdinvesting ermöglicht es Privatanlegern mit kleinen Beträgen im Schwarm Venture Capital für aufstrebende Firmen bereitzustellen und so von dem häufig großen Wachstumspotenzial zu profitieren. Aufgrund der großen Unsicherheiten zu Beginn einer Unternehmensgründung ist das Investment allerdings auch mit einem hohen Risiko verbunden. Inzwischen gibt es in Deutschland zahlreiche Plattformen, die Startups und Geldgeber vermitteln.

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