Günstige Aktien finden in drei Schritten

Günstige Aktien und billige Aktien sind nicht das Gleiche. Günstig ist eine Aktie, wenn ihr Preis gemessen am Potential gering ist, billig ist sie, wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis niedrig ist. Aber wie finde ich günstige Aktien? Oder gibt es die gar nicht, wie Anhänger der Effizienzmarkthypothese behaupten?

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Günstige Aktien in Stichpunkten

  • KGV ist ein erster Anhaltspunkt
  • Auch das Potential muss beachtet werden
  • Wer günstige Aktien finden will, muss besser sein als der Markt
  • Nicht alles auf eine Karte setzen

Was heißt hier eigentlich günstig?

Günstig kann sich auf verschiedene Arten deuten. Zunächst einmal im Sinne eines niedrigen Aktienkurses. Wirklich sinnvoll ist diese Interpretation aber nicht. Der Aktienpreis wird beispielsweise oft gesenkt indem Aktien gesplittet werden. Altaktionäre erhalten dann zu einer alten Aktie noch neun weiter hinzu, dafür wird der Aktienkurs auf ein Zehntel gesenkt. Wirklich günstiger wird die Aktie dadurch nicht. Sie kostet zwar nur noch ein Zehntel des alten Betrags, dafür repräsentiert sie auch nur noch einen Zehntel des Anteils einer alten Aktie am Unternehmen. Wer den Preis einer 200 Gramm Tafel Schokolade mit dem einer 100 Gramm Tafel vergleicht, berechnet ja auch meist den Preis je 100 Gramm.

Finanzpresse readly Aktientipps

Die Finanzzeitschrift Börse Online veröffentlicht wöchentlich Aktien mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis. Bild: Pressefoto von readly

Auf Aktien übertragen entspricht das dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es gibt an, das Wievielfache des Gewinns die Aktien kostet. Ein KGV von 14 bedeutet also, dass der Wert aller Aktien, gemessen am Aktienkurs, 14 Mal so hoch ist wie der aktuelle Jahresgewinn. Viele Börsenzeitungen und -zeitschriften veröffentlichen regelmäßig Tabellen mit dieser Kennzahl.

Aktien mit einem niedrigen KGV sind billig, aber nicht unbedingt günstig. Denn bei vielen Unternehmen spiegelt der im Vergleich zum Gewinn niedrige Kurs schlicht die negativen Zukunftsaussichten. Wer im Januar 2019 einen Blick auf die KGV-Tabellen wirft stellt fest, dass wachstumsstarke Unternehmen wie Wirecard ein hohes KGV haben, viele Automobilunternehmen wie VW und Daimler dagegen ein niedriges. Das liegt daran, dass Wirecard weiteres Wachstum zugetraut wird, bei VW und Daimler rechnen viele Beobachter dagegen mit fallenden Gewinnen.

Billige Aktien

Wenn Geschäftsmodelle ihre Grundlage verlieren, dann kann das dauern. Eine Zeitlang macht ein Unternehmen dann noch hohe Gewinne, aber die Aktionäre verkaufen die Aktie schon, weil sie den baldigen Rückgang vorhersehen.

Noch schwerer ist es bei Konzernen wie Amazon oder Alphabet, die oft überhaupt keine oder nur geringe Gewinne erzielen, weil sie das gesamte Kapital in Forschung und Expansion investieren. Als Bewertungskennzahl dient dann oft das Kurs-Umsatz-Verhältnis.

Günstige Aktien – ein Beispiel

Wenn wir hier von günstigen Aktien schreiben, dann meinen wir damit unterbewertete Papiere. Sie haben meist zwar ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis, gleichzeitig aber auch gute Zukunftsaussichten. Diese zu identifizieren und zu kaufen ist der Kern der Value-Strategien. Bekanntester Value-Investor ist Warren Buffett, der mit dieser Vorgehensweise zum Multimilliardär wurde. Sein Credo lautet nicht in Geschäftsmodelle zu investieren, die man nicht versteht und Geduld haben. Statt in aufstrebende junge Firmen investiert er oft in traditionelle Unternehmen, die ihre besten Jahre schon hinter sich haben, aber deren Kurs weit stärker gefallen ist als es eigentlich gerechtfertigt wäre.

Eisenbahnaktien

Eisenbahnen sind keine neue Technologie. Aber vor allem in den USA spielen sie immer noch eine große Rolle im Güterverkehr. Warren Buffett investierte deshalb in großem Stil in Eisenbahnaktien und erzielte hohe Gewinne.

Beispielsweise kaufte er ab 2007 über seine Holding Berkshire Hethaway Aktien des Eisenbahnunternehmens Burlington Northern Santa Fee. Das Geschäft zeigt typisch, wie die Value Strategie funktioniert. Denn für mehr als 50 Jahre waren Eisenbahnen ein schlechtes Geschäft gewesen. Weniger wegen der Konkurrenz durch die Straße, sondern durch die strengen Auflagen der Regulierungsbehörden. Weil die privaten Güterbahnen regional Monopolisten waren, wurden sie schon vor dem Zweiten Weltkrieg harten Auflagen unterworfen.

Als mit Lastwagen eine neue Konkurrenz erwuchs blieb die Regulierung zunächst bestehen und schwächte die Eisenbahnen. Erst langsam wurde der Fehler erkannt und reduziert. Gleichzeitig sorgte die Globalisierung für mehr Verkehr auf der Schiene, weil Waren beispielsweise mit dem Schiff aus China oder Japan an der Westküste ankommen und dann mit dem Zug ins Landesinnere oder sogar an die Ostküste gebracht werden. Trotzdem blieb der Aktienkurs zunächst niedrig.

Anteil Güterverkehr

Mehr als 40 Prozent des Gütertransports in den USA erfolgen auf der Schiene, verglichen mit gerade einmal rund 17 Prozent in Deutschland. Bei der Wahl günstiger Aktien ist es wichtig, dass das eigentliche Geschäftsmodell intakt ist. Grafik: Statistiker-Blog.de nach Daten der Allianz pro Schiene

Die Aktien waren also günstig, denn der Kurs spiegelte nicht das Potential wider. Auch Maschinenbauer, Textilhersteller und Einzelhändler gehören zum Reich Warren Buffetts, der beispielsweise einen relevanten Anteil an Munich Re (Münchner Rück) oder Coca Cola hält.

Günstige Aktien finden Schritt für Schritt

Wie aber findet man unterbewertete, also günstige Aktien? Im ersten Schritt ist die Betrachtung des KGV kein schlechter Schritt. Eine Firma mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis muss nicht wachsen, um attraktiv zu bleiben. Sie sollte aber ihre Überschüsse zumindest konstant halten. Deshalb müssen Anleger in einem zweiten Schritt fragen, ob das möglich ist.

Betrachtet man beispielsweise das vergleichsweise günstige Kurs-Gewinn-Verhältnis der Daimler AG sollte man sich im nächsten Schritt fragen, ob das Unternehmen auch in zehn oder gar 20 Jahren noch attraktive Überschüsse erwirtschaften kann. Wird es gelingen bei den Themen automatisiertes Fahren und saubere Antriebe Anschluss an die Konkurrenz aus Kalifornien zu halten? Oder wird die Daimler AG das Schicksal von Kodak, Quelle oder Nokia erleiden, die auf den Wandel in ihrer Branche nicht rechtzeitig reagierten und deshalb deutlich an Wert verloren oder sogar insolvent wurden?

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Wer bereits mehrere Aktien im Depot hat sollte in einem dritten Schritt überprüfen, ob man bereits ähnliche Aktien besitzt. Wer schon VW oder BMW im Depot liegen hat, der sollte nicht noch Daimler mit dazu nehmen.

Ein anderer Ansatz: die Trendwendestrategie

Ein anderer Ansatz geht davon aus, dass die Märkte es oft übertreiben. Hat eine Firma Probleme, dann verabschieden sich die Aktionäre reihenweise. Der Kurs fällt dann unter Umständen stärker, als es eigentlich aufgrund der fundamentalen Daten gerechtfertigt wäre. Auch ein Unternehmen, dass mittelfristig mit sinkenden Gewinnen rechnet kann attraktiv sein, wenn es nur günstig genug ist.

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ProSiebenSat.1 muss mit Veränderungen beim Medienkonsum kämpfen. Gelingt das, ist die Aktie attraktiv. Im Bild Entwürfe für den neuen Campus des Unternehmens. Foto: © ProSiebenSat.1/ARGE P7S1 New Campus Kohlbecker Vielmo

Ein Beispiel ist die ProSiebenSat.1 AG, deren Aktienkurs gegen Ende des Jahres 2015 bei mehr als 50,- Euro stand. Anfang des Jahres 2019 war der Kurs auf 15,- Euro gefallen, die Gewinne waren dagegen ebenso wie die Dividenden gestiegen. Allerdings ist dem Konzern eine neue Konkurrenz erwachsen. Im Jahr 2014 war Netflix in Deutschland an den Start gegangen. Auch die Alphabet-Tochter YouTube ist ein Konkurrent, denn gerade junge Menschen nutzen diese Dienste lieber als das klassische Fernsehen oder deren Streaming-Ableger. Vor allem aber zieht das Unternehmen, zusammen mit der Schwester Google, viele Werbeausgaben an sich.

ProSiebenSat.1 wird seine Gewinne daher mittelfristig nach Meinung vieler Analysten nicht halten können, obwohl der Konzern auch zahlreiche Internet-Beteiligungen besitzt. Aber rechtfertigt der zu erwartende Gewinnrückgang den zwischen Ende 2015 und Mitte 2019 beobachteten Kurseinbruch? Das ist die Frage, die Investoren sich stellen müssen.

Was man braucht um Value Investor zu werden

Wer günstige Aktien sucht, muss sich informieren. Es reicht nicht aus ein paar Charts zu studieren. Auch ein Blick auf eine Tabelle mit den günstigsten Kurs-Gewinn-Verhältnissen ist vielleicht ein erster Schritt, aber noch nicht einmal die halbe Miete. Anleger müssen sich informieren, also im Internet nach Hintergrundwissen suchen. Und sie brauche Phantasie und eine gute Vorstellung davon, wie sich unsere Welt in den kommenden Jahren entwickelt.

Value Investing

Fundamentale Kennzahlen wie das KGV sind wichtig, aber nur ein erster Schritt bei der Suche nach günstigen Aktien.

Börsenjournale und -zeitungen können Ideen und Hintergrundwissen liefern, ihre Lektüre reicht aber nicht aus. Nur wer sich auch eigene Gedanken macht, kann erfolgreich sein. Bedenken muss man dabei, dass es nicht reicht einige kommende Entwicklungen zu benennen. Man muss auch übersetzen können, was das für den Börsenkurs bedeutet. Und dabei besser sein als die übrigen Anleger, denn deren Meinung ist im aktuellen Kurs schon abgebildet.

Was wichtig ist!

Wichtig ist, dass Anleger dabei nicht dem Größenwahn verfallen. Besser zu sein als der Markt ist nicht so einfach. Immerhin verwenden große institutionelle Anleger viel Energie darauf, die Kurse richtig zu bestimmen. Zwar haben sie auch ein paar Nachteile, weil es ihnen schwer fällt langfristig zu investieren. Bei Fonds besteht nämlich die Gefahr, dass die Anleger alle längst ihre Anteile verkauft haben, bis sich der Erfolg einstellt. Trotzdem ist es nicht einfach diese Profis zu übertreffen.

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Einen großen Teil seines Aktienportfolios sollte man breit streuen. Wem das zu langweilig ist, der kann diese Aufgabe einem Robo Advisor übertragen und nur den Teil selbst verwalten, den er auch aktiv investieren will.

Anleger sollten deshalb sich nicht selbst überschätzen und das ganze Vermögen in eine vermeintlich günstige Aktie investieren. Ein Großteil des Geldes sollte vielmehr breit gestreut in Indexfonds angelegt werden. Beispielsweise durch den Kauf eines ETFs auf den MSCI All Countries World Index, der weltweit in großen Firmen aus Industrie- und Schwellenländern investiert. Wie man sein Geld aufteilt, lässt sich hier nachlesen.

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Comdirect gehört überwiegend zum Reich der Frankfurter Commerzbank.

Wem das zu langweilig ist, der kann diese Aufgabe einem Robo Advisor übertragen. Angebote wie das Cominvest Depot der Comdirect Bank lassen sich schon ab 3.000,- Euro nutzen, VisualVest und Oskar sogar schon ab 500,- beziehungsweise 1.000,- Euro. Wer beispielsweise 20.000,- Euro investieren will, der kann 15.000,- vom Robo Advisor anlegen lassen und mit 5.000,- Euro mehrere aussichtsreiche Einzelpapiere kaufen.

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Die Comdirect Bank aus Quickborn bei Hamburg hat dabei den Vorteil, dass sie sowohl eine automatisierte Vermögensverwaltung mithilfe eines Robo Advisors als auch ein klassisches Aktiendepot anbietet. Wer dagegen alles selbst anlegen will, findet mit der Consorsbank ein Institut, das immer wieder attraktive Neukundenangebote macht. Wem dagegen Beständigkeit wichtig ist, der findet mit dem S Broker, 1822direkt und der DKB drei Anbieter, die zum Lager der Sparkassen gehören oder sich zumindest indirekt zu großen Teilen in deren Besitz befinden.

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Fazit

Billige Aktien sind nicht unbedingt auch günstige Aktien. Eine günstige Aktie sollte ein attraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aufweisen, gleichzeitig aber auch für die Zukunft gut gerüstet sein. Denn eine Aktie die nur deshalb preiswert ist, weil die Krise schon absehbar ist, sind keine gute Investition. In jedem Fall sollten Anleger aber einen großen Teil ihres Geldes breit gestreut anlegen, denn auch die schlüssigste Theorie kann sich als falsch erweisen.

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