Mit ausländischen Aktien handeln

Das Wichtigste in Kürze
Ausländische Aktien werden von vielen deutschen Anlegern vernachlässigt. Die meisten Privatanleger haben kaum Wertpapiere von Unternehmen außerhalb Deutschlands im Programm. Dabei finden sie auch im Ausland einige interessante Wertpapiere, bei denen lediglich die Quellensteuer ein Nachteil sein kann. Durch Wechselkursänderungen können sich zudem interessante Renditemöglichkeiten ergeben.

Vorteile von Auslandsaktien

Auslandsaktien haben gegenüber Inlandsaktien verschiedene Vorteile. Allerdings sind diese nicht bei jeder Aktie gegeben. Vor allem innerhalb des Euroraums greifen viele Vor- aber auch einige Nachteile nicht:

  • Währungsrisiko und Währungschance
  • Märkte, die von lokalen Entwicklungen in Deutschland unabhängig sind
  • Häufigere Dividendenzahlungen
  • Märkte können sich in unterschiedlichen Phasen befinden

Das Herkunftsland ist allerdings entscheidend. Eine Aktie aus einem Schwellenland verhält sich häufig anders als die eines internationalen Konzerns aus den USA. Dennoch haben sich die Märkte größtenteils angeglichen.

Wo kann man ausländische Aktien handeln?

Wo ein Anleger ausländische Aktien findet, hängt auch von der Verbreitung der Aktie und ihrer Liquidität ab. Die wichtigsten Auslandsaktien können Anleger wie gewohnt über Xetra handeln. Bei Standardwerten weichen die Kurse kaum von denen an der Heimatbörse ab. Dadurch, dass Xetra zu den günstigsten Handelsplätzen gehört und noch zudem problemlos über inländische Broker genutzt werden kann, ist dies häufig die günstigste Möglichkeit.

Kann die Aktie dort nicht gehandelt werden oder ist vergleichsweise teuer, bleiben verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann sie an der Börse im Heimatland gekauft werden. Hier werden allerdings relativ hohe Orderkosten fällig. Außerdem gibt es an der Börse Berlin zahlreiche Auslandswerte. Die Börse hat sich auf Small und Mid Caps spezialisiert, sodass das Angebot hier deutlich größer ist. Mehr als 10.000 Aktien aus über 120 Ländern sind dort derzeit gelistet. Die Ordergebühren sind hier zwar teurere als bei Xetra, allerdings so gut wie immer günstiger als bei einer ausländischen Börse.

Grundsätzlich kann es jedoch sinnvoll sein, die Aktie dort zu erwerben, wo ihre Liquidität am größten ist. Sonst sind die Kurse nämlich zu volatil und können durch die Order selbst in die Höhe getrieben werden. Eine Ausführung mit Limit ist deswegen immer notwendig. Außerdem können Aktien am Heimatmarkt dadurch günstiger sein, dass der Spread geringer ist, da sich die ausländische Börse sicherer mit den Wertpapieren eindecken kann. Es ist dann allerdings sinnvoll, auch die Handelszeiten zu beachten und gerade kleinere Unternehmen dann zu handeln, wenn die Liquidität im Heimatland des Unternehmens hoch ist.

Viele Broker ermöglichen es, aus der Handelsplattform heraus verschiedene Börsen nach dem jeweiligen Kurs zu durchsuchen. Es kann viel Geld sparen, auf diese Weise einen günstigen Kurs zu erhalten, auch wenn die Orderkosten unter Umständen höher sind. Gerade bei größeren Volumina fallen sie kaum ins Gewicht.

Nachteil ausländischer Aktien: Die Quellensteuer

Deutschland hat inzwischen mit über 80 Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Das bedeutet, dass Anleger die Erträge aus Aktien nur in ihrem Herkunftsland besteuern müssen. Bei ausländischen Aktien und Dividenden passiert es jedoch leider sehr oft, dass die Quellensteuer bei den Erträgen bereits abgezogen ist.

Für deutsche Anleger bleibt jedoch die Abgeltungsteuer richtungsweisend. Sie wird seit 2009 auf sämtliche Kapitalerträge wie Kursgewinne und Dividenden erhoben und beträgt 25 Prozent. Ziel bei der Einführung war eine einfachere und transparente Besteuerung. Die Quellensteuer wird dabei vollständig oder zumindest teilweise auf die Abgeltungsteuer angerechnet.

Der Anleger kann die Quellensteuer in einer Höhe von null bis 15 Prozent auf die Abgeltungsteuer anrechnen lassen. Er zahlt dann in Deutschland lediglich die Differenz. Geht der Anteil allerdings darüber hinaus, kann er die Quellensteuer nicht mehr anrechnen lassen. Sie ist dann hingegen „erstattungsfähig“, was bedeutet, dass der Anleger die zu viel gezahlte Steuer selbst zurück fordern muss. Der Ansprechpartner ist allerdings das Finanzamt im Staat des Unternehmens, mit dessen Aktien er den Gewinn erzielt hat.

Die notwendigen Adressen und Ansprechpartner stellt das Bundeszentralamt für Steuern bereit. Das Prozedere ist dabei in den unterschiedlichen Ländern deutlich verschieden. Während es in manchen Ländern reicht, einen formlosen Antrag zu stellen, fordern andere Staaten mehrere Dokumente und gestatten sich selbst eine großzügige Bearbeitungszeit. Vor allem Italien ist diesbezüglich in Verruf geraten. In manchen Ländern wie Spanien oder der USA ist es außerdem möglich, sich von der Steuer freistellen zu lassen. Dafür wird allerdings ein Antrag benötigt.

Nicht immer lohnt sich der Arbeitsaufwand, um zu viel gezahlte Steuern zurückerstatten zu lassen. Anleger müssen immerhin so oder so die 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen. Steigt ihre Steuerlast durch die Doppelbesteuerung auf 35 Prozent, lohnt sich die Rückerstattung häufig nur dann, wenn die Aktien verkauft wurden. Bei Dividendenzahlungen sind Arbeitsaufwand und Portokosten hingegen oft so hoch, dass sich eine Beantragung schlicht nicht lohnt. Vor allem bei Differenzbeträgen, die kleiner als 100 Euro sind, lohnt es sich häufig nicht, sich mit der Erstattung zu beschäftigen. Immerhin fordern manche Staaten sogar eine gesonderte Steuererklärung, um die zu viel gezahlten Beträge zu erstatten.

Wer Auslandsaktien kaufen möchte und dies auch aufgrund der Dividendenzahlungen tut, sollte also auch darauf achten, ob das Herkunftsland des Unternehmens eine einfache Rückerstattung ermöglicht.

Außerdem sollten gerade bei Aktienverkäufen im Ausland die Fristen für die Antragsstellung beachtet werden. Wer den Antrag auf Steuererstattung zu spät einreicht, verliert sein Recht auf eine Rückzahlung. Immerhin gewähren die meisten Staaten eine Frist von vier Jahren. Ähnlich lange kann eine Steuererstattung jedoch ebenfalls dauern. Zumindest das italienische Finanzamt benötigt häufig mehrere Jahre, bis das zu viel gezahlte Geld wieder beim Anleger ankommt. Die Schweiz hingegen benötigt nur wenige Monate.

Sollten deutsche Anleger mit ausländischen Aktien handeln?

Einer der größten Vorteile von Auslandsaktien ist deswegen auch die größere Auswahl. Durch das Internet ist es inzwischen deutlich leichter, auf interessante Unternehmen zu stoßen und die notwendigen Informationen zu erhalten.

Grundsätzlich haben alle Anleger eine Tendenz dazu, ihren Heimatmarkt zu bevorzugen. Das liegt vor allem daran, dass sie das Gefühl haben, den Markt besser einschätzen zu können und die Unternehmen sind ihnen so vertrauter. Sie trauen ihnen deswegen auch mehr zu. Letztlich gibt es jedoch keine Studie, die belegen würde, dass Aktien aus dem Heimatland besser sind oder Anleger bessere Kaufentscheidungen treffen. Stattdessen lassen sie sich interessante Investitionsmöglichkeiten aufgrund einer eingebildeten Kompetenz entgehen.

Es kann also für viele Anleger wesentlich sinnvoller sein, etwas über den Tellerrand zu sehen und auch in ausländische Aktien zu investieren. Hier gibt es zudem zahlreiche interessante Investitionsmöglichkeiten:

  • Die Auswahl an Blue Chips ist wesentlich größer und beschränkt sich nicht mehr auf die 30 DAX-Unternehmen.
  • Auch mittelständische Unternehmen stehen im Ausland auf einer soliden Basis.
  • Große Unternehmen aus Schwellenländern haben oft noch deutlich größere Wachstumschancen.
  • Unternehmen können im Ausland aufgrund anderer Gesetze häufig andere Technologien erforschen und einsetzen.
  • In manchen Staaten sind häufigere und großzügigere Dividendenzahlungen üblich.

Daraus ergeben sich in vielen Bereichen, Ländern und Branchen interessante Investitionsmöglichkeiten, die Anleger nicht nur deswegen verwerfen sollten, weil sie aus dem Ausland stammen.

Eignen sich Auslandsaktien noch zur Diversifikation?


Bei der Bewertung, ob sich Aktien aus dem Ausland noch zur Diversifikation eignen, sind vor allem zwei Faktoren maßgeblich: Zum einen, ob es sich um unabhängige Märkte handelt, zum anderen spielt jedoch auch die Diversifikation über Wechselkursänderungen eine wichtige Rolle.

Aktien aus dem Ausland zu kaufen galt lange Zeit als der Schlüssel zu einer ausreichenden Risikostreuung. Allerdings haben sich die Märkte im Zuge der Globalisierung deutlich angeglichen. Krisen wirken sich heute auf alle Märkte der Welt aus. Lediglich die Schärfe und die Erholung können sich unterscheiden.

Wer aber beispielsweise denkt, dass er mit einer Investition in US-Aktien sein Risiko noch streuen könnte, hat hinsichtlich der Parallelität der Entwicklung unrecht. Um zu erkennen, dass inzwischen die europäischen und nordamerikanischen Börsen eng zusammenhängen, reicht ein Blick auf die Gegenüberstellung der letzten Jahre aus. Lediglich in Schwellenländern nehmen die Börsen teilweise andere Entwicklungen.

Ein wichtiger Faktor, der ebenfalls zur Diversifikation beiträgt, ist allerdings die Währung. Alleine dadurch lassen sich deutliche Kurssteigerungen erzielen und auch eine Risikostreuung ist so zumindest teilweise immer noch möglich. Die Änderungen bei den Kursen sind durch die folgende Entwicklung möglich:

  • Szenario 1: Der Aktienkurs steigt und der Wechselkurs der Heimatwährung des Anlegers sinkt im Vergleich zur Währung des Herkunftslandes des Unternehmens: In diesem Fall könnte der Anleger durch Kurssteigerung und Wechselkursvorteil gleich doppelt profitieren.
  • Szenario 2: Der Aktienkurs sinkt und der Wechselkurs der Heimatwährung des Anlegers legt zu. In diesem Fall muss der Anleger doppelte Verluste hinnehmen.
  • Szenario 3: Nur eine der beiden Risiken kommt zum Tragen, der andere Wert entwickelt sich positiv. Hier hängt es davon ab, welche Entwicklung stärker ist.

Es ist also beim Kauf einer Auslandsaktie nicht nur entscheidend, mit welcher Kursentwicklung der Anleger bei dem jeweiligen Wertpapier rechnet. Fast noch wichtiger ist, wie sich die Fremdwährung im Vergleich zur Heimatwährung entwickeln wird. Sie entscheidet mit darüber, ob ein Anleger von Kursbewegungen profitieren kann oder sogar Geld verliert.

Deutsche Anleger müssen also bei der Kursentwicklung von Unternehmen, die nicht im Euroraum an der Börse sind, das Wechselkursrisiko beachten und sollten vor allem bei kurz- und mittelfristigem Anlagehorizont in Betracht ziehen, dass die Änderungen dort noch wichtiger sein können als die Kurssteigerungen der Aktie.

Fazit:

Auslandsaktien gehören auch heute noch in jedes sinnvoll aufgestellte Portfolio. Ausländische Unternehmen bieten interessante Wachstumschancen und können dennoch über ein solides Fundament verfügen. Interessenten sollten sich jedoch auch im Ausland umfassend über die Geschäftszahlen informieren und zudem das Wechselkursrisiko vor dem Kauf beachten. Ärgerlich kann die Quellensteuer sein, allerdings kann ihre Rückzahlung bei Doppelbesteuerung problemlos beantragt werden.

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