Ist die Türkei ein MIST-Staat?

Mit ausländischen Aktien handeln

Das Wichtigste in Kürze
Ausländische Aktien werden von vielen deutschen Anlegern vernachlässigt. Die meisten Privatanleger haben kaum Wertpapiere von Unternehmen außerhalb Deutschlands im Programm. Dabei finden sie auch im Ausland einige interessante Wertpapiere, bei denen lediglich die Quellensteuer ein Nachteil sein kann. Durch Wechselkursänderungen können sich zudem interessante Renditemöglichkeiten ergeben.

Vorteile von Auslandsaktien

Auslandsaktien haben gegenüber Inlandsaktien verschiedene Vorteile. Allerdings sind diese nicht bei jeder Aktie gegeben. Vor allem innerhalb des Euroraums greifen viele Vor- aber auch einige Nachteile nicht:

  • Währungsrisiko und Währungschance
  • Märkte, die von lokalen Entwicklungen in Deutschland unabhängig sind
  • Häufigere Dividendenzahlungen
  • Märkte können sich in unterschiedlichen Phasen befinden

Das Herkunftsland ist allerdings entscheidend. Eine Aktie aus einem Schwellenland verhält sich häufig anders als die eines internationalen Konzerns aus den USA.

Drei ausländische Aktien, auf die man achten sollte!

Veolia Environnement – WKN: 501451

Ist Veolia Environnement überhaupt eine ausländische Aktie? Das Unternehmen hat seinen Sitz im Nachbarland Frankreich und damit nicht nur innerhalb der EU, sondern auch innerhalb der Eurozone. Unter dem Gesichtspunkt der internationalen Risikostreuung bleibt man also abhängig von der Wirtschaftsentwicklung der Euro-Länder. Aber die EU ist eben nur ein Staatenbund und keine Bundesrepublik und Politik findet in der Union nach wie vor in erster Linie national statt. Außerdem erwirtschaftet Veolia Enivironnement einen Großteil seines Umsatzes weltweit.

Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der 1853 gegründeten Générale des Eaux zurück, der Generalgesellschaft für Wasser. Das macht auch schon deutlich, womit Veolia Environnement sein Geld verdient, nämlich mit Wasser oder allgemeiner gesprochen mit Ver- und Entsorgungsdienstleistungen. In Rostock verwertete das Unternehmen Plastikflaschen, in Saudi-Arabien entsalzt es Wasser und im japanischen Hakone betreibt es das Wassernetz. Vor allem das Geschäft mit der Meerwasserentsalzung könnte angesichts steigender Bevölkerungszahlen, dem Trend in die Städte und steigendem Wohlstand und damit zunehmendem Wasserverbrauch immer wichtiger werden.

 20152016201720182019 (e)
Umsatz in Milliarden Euro25,024,424,8(25,9)...
Gewinn je Aktie in Euro0,690,570,61(0,64)...
Dividende je Aktie in Euro0,730,800,840,89(0,95)

In den vergangenen fünf Jahren ist die Aktie im Schnitt um fast 9,0 Prozent jährlich gestiegen, insgesamt um 53 Prozent. Trotz der guten Börsenjahre kann der Vergleichsindex CAC 40 da nicht mithalten. Einen kleinen Rückschlag gab es im Jahr 2016, als Umsatz- und Gewinn deutlich zurück gingen. Das Unternehmen kam aber schnell wieder in die Spur zurück, 2019 könnte ebenfalls ein gutes Jahr werden. Attraktiv macht das Unternehmen auch die Dividende, die zuletzt fast ständig erhöht wurde.

MSCI Frontier Markets

Gerade in vielen südlichen Ländern kann die Meerwasserentsalzung ein wichtiger Baustein der Wasserversorgung sein.

Hintergrund: 1853 wurde die Générale des Eaux gegründet. Vor allem in den vergangenen 40 Jahren übernahm sie mit den Gewinnen aus dem Wassergeschäft zahlreiche Firmen aus den Bereichen Ver- und Entsorgung sowie Verkehr, aber auch Medienfirmen wie die Werbeagentur Havas oder den Bezahlfernsehsender Canal+. Immer mehr verschob sich der Schwerpunkt des Unternehmens auf das Mediengeschäft, weshalb die Firma 1998 mit Vivendi auch einen neuen, neutralen Namen bekam. 2002 wurden dann der Bereich Medien von der Sparte Wasser, Energie, Abfall und Verkehr getrennt, wobei der “neue Bereich” Medien beim Hauptunternehmen verblieb und der “alte” Kern Ver- und Entsorgung in einer Tochtergesellschaft mit dem Namen Vivendi Environnement ausgelagert und teilweise verkauft wurde. 2003 bekam es den neuen Namen und wurde 2006 völlig unabhängig von Vivendi. Nach der Trennung vom Bereich Verkehr konzentriert man sich heute ganz auf die Ver- und Entsorgung.

Bewertung:

  • Weltweit Ausrichtung
  • Das Geschäft mit der Meerwasserentsalzungsanlagen dürfte wichtiger werden
  • Die Dividendenrendite ist sehr attraktiv
  • Aber: Vergleichsweise hohe Bewertung

Reliance Industries – WKN: 884241

Auch wenn Reliance Industries (RIL) in Deutschland vielen kein Begriff ist, die Firma aus Mumbai ist das nach Umsatz zweitgrößte indische Unternehmen (nach der Indian Oil Corporation) und das mit der höchsten Börsenkapitalisierung. Was aber fast noch wichtiger ist, es gehört auch zu den profitabelsten Aktiengesellschaften. Und das, obwohl Reliance Industries eine in Europa und den USA mittlerweile verpönte Struktur hat, es handelt sich nämlich um einen klassischen Mischkonzern, der unter anderem in den Bereichen Energie, Petrochemie, Textilien, natürliche Ressourcen, Einzelhandel und Telekommunikation tätig ist.

So ist Reliance Industries mittlerweile der größte Einzelhändler des Landes und über die erst 2016 gegründete Tochter Jio auch einer der drei großen Telekomanbieter. Das will was heißen in einem Land, das mit 1,3 Milliarden Einwohner nicht nur fast doppelt so viele Einwohner hat wie Europa (einschließlich Nicht-EU-Staaten), sondern auch in Sachen Digitalisierung und IT schnell voranschreitet. Nirgendwo ist Datenübertragung so billig wie in dem Riesenreich.

Gegenüber Europa und Nordamerika hat Indien zwei Vorteile. Einerseits ist die Bevölkerung jung, wächst aber nicht mehr so rasant wie noch vor 20 Jahren. Mit 2,5 Kindern bringt jede Frau im Durchschnitt nur noch etwa so viele Kinder zu Welt wie in Deutschland Mitte der 1960er Jahre, so dass Familien mehr in die Bildung des Nachwuchses investieren können.

Gleichzeitig ist hat Indien den Sprung in die globale Mitte geschafft. Diese Erfahrung kann bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder sehr hilfreich sein. Beispielsweise entwickelt das Unternehmen solarbasierte Lösungen für ländliche Gegenden ohne (zuverlässiges) Stromnetz wie solarbetriebene Straßenlaternen oder Kühlsysteme. Ein riesiges Geschäftsfeld.

 20152016201720182019 (e)
Umsatz je Aktie in indischen Rupien 636467514660...
Gewinn je Aktie in indischen Rupien40,0646,9050,6760,94...
Dividende je Aktie in indischen Rupien5,005,255,506,00...

Die gute Entwicklung zeigt sich auch im Umsatz. Er betrug laut Geschäftsbericht 2018 rund 430.731 Crore, was 4.307.310.000.000 Rupien (Crore ist ein indisches Zahlwort für zehn Millionen) entspricht, ein Plus von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei einem Umrechnungskurs von 0,0129 Euro je Rupie sind das etwa 555 Milliarden Euro. Der Umsatz je Aktie lag 2018 bei 660 Rupien.

Fast noch wichtiger ist aber, dass auch der Gewinn um rund 20 Prozent höher lag als im Vorjahr. Damit setzt sich ein langer Trend fort, in den vergangenen Jahren konnte das Unternehmen seinen Gewinn stetig steigen – und damit stieg auch die Dividende.

Indien modern

Indien ist mehr als nur Elefanten, hinduistische Tempel und Bollywood. Es ist ein Staat mit dynamischem Wirtschaftswachstum. Foto: Pixabay

Hintergrund: Wie viele asiatische Großkonzerne ist Reliance Industries, verglichen mit Siemens, IBM oder General Electric, relativ jung. Das Unternehmen wurde in den 1960er Jahren gegründet und war lange vor allem dem Gebiet der synthetischen Stoffe aktiv. Hauptprodukt war bis in die 1990er Jahre Polyestergarn. Dann kamen petrochemische Produkte hinzu. Mitte der 1990er stieg man auch ins Telekom-Geschäft ein, rund zehn Jahre später in den Einzelhandel.

Bewertung:

  • In einem Wachstumsmarkt zuhause
  • Gute Startbedingungen für die Expansion in Schwellen- und Entwicklungsländer
  • Stark in aussichtsreichen Branchen
  • Aber: Immer noch hohe Abhängigkeit vom indischen Markt

Amazon – WKN: 906866

“Amazon, wirklich?”, mag jetzt manch einer fragen. Tatsächlich ist die Aktie nicht wahnsinnig originell. Wer lieber auf eine unbekanntere Aktie setzt, der kann statt Amazon auch MercadoLibre (WKN A0MYNP) kaufen, ein Unternehmen das am Amazonas fast noch wichtiger ist als Amazon. Das argentinische Portal wurde nach dem Vorbild von eBay gegründet und ist heute in den meisten südamerikanischen Staaten der größte Anbieter von Kleinanzeigen und, mit MercadoPago, im Bereich der Online-Zahlungsdienste. In einigen Ländern hat MercadoLibre mittlerweile fast ein Monopol in diesen Bereichen, was zuletzt zu deutlichen Kurssteigerungen führte.

Allerdings ist MercadoLibre auch etwas riskanter als der Gigant aus Seattle. Zweifellos ist die Amazon-Aktie in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen und mittlerweile sehr teuer. Außerdem wird die Marktmacht mittelfristig die Kartellwächter auf den Plan rufen. Die Hoffnung, dass sich am Markt starke Konkurrenten etablieren könnten, hat heute kaum noch jemand. Denkbar, dass Amazon bald stärker reguliert wird, etwa indem es die Preise für unabhängige Händler auf seiner Plattform senken muss, so wie es bei Strom- und Telekomfirmen in der EU üblich ist.

Bisher sieht es aber so aus, als hätten die Kartellwächter noch überhaupt keine Vorstellung davon, wie sie mit den Digitalkonzernen umgehen sollen. Und so könnte Amazon noch eine ganze Weile sehr viel Geld verdienen. So viel, dass die Gewinne weiter steigen. Zumal die EU nur einer von vielen Märkten ist und Amazon geschickt neue erschließt und so effizient arbeitet, dass kaum ein Konkurrent eine Chance hat. Einzelnen Fehlschläge wie das Fire Phone stehen Dutzende Erfolge gegenüber. Die Chancen sind also groß, dass Amazon sich nicht nur weiter gut entwickelt, sondern sogar so gut, dass der Aktienkurs weiter schnell steigt.

 20152016201720182019 (e)
Umsatz je Aktie in Euro227,19 285,09 367,49414,63...
Gewinn je Aktie in Euro (unverwässter)1,285,01 6,3218,41...
Dividende je Aktie in Euro-----

Auch 2018 konnte Amazon die Börsenwelt noch einmal überraschen. Der Gewinn je Aktie stieg auf das Dreifache, nahm weiter zu und auch der Umsatz lag 2018 mehr als doppelt so hoch wie noch drei Jahre zuvor. Einziger Wehrmutstropfen: Wegen des gigantischen Wachstums zahlt Amazon traditionell keine Dividende. Aber solange die Kurse so steigen wie bisher, ist das leicht zu verschmerzen. Erst recht in Anbetracht der Tatsache, dass bei Dividenden in den USA eine Quellensteuer (siehe unten) anfallen würde.

Hintergrund: 1994 startete Amazon als reiner Online-Buchhändler. Schon 1998 expandierte Amazon nach Deutschland, wo es den ABC Bücherdienst übernahm, der Bücher damals nicht nur übers Netz, sondern auch noch mit Hilfe von Katalog-CDs verkaufte. Mit den Gewinnen aus dem Buchhandel expandierte Amazon weiter und entwickelte sich zum Online-Versandhändler. Mittlerweile ist das Unternehmen auch im klassischen Einzelhandel sowie weiteren Technologiefeldern wie dem Cloud-Computing aktiv. Gründer Jeff Bezos gilt heute als reichster Mensch der Welt und besitzt rund 17 Prozent des Unternehmens.

Bewertung:

  • Wachstumsstarkes und hoch kreatives Unternehmen
  • Monopolartige Stellung in vielen Ländern
  • Seit Jahren konstant hohes Wachstum
  • Aber: Mittelfristig erscheint eine stärkere Regulierung und damit niedrigere Gewinne wahrscheinlich

Drei interessante Auslandsaktien-ETF

Der Kauf von Einzelaktien ist aber immer mit einem Risiko verbunden. Egal wie gut die Vorbereitung war, am Ende kann ein Misserfolg stehen. Niemand weiß, ob sich die Staaten vielleicht doch schon bald durchringen um die großen Digitalkonzerne wie Amazon und Alphabet (Google) strenger zu regulieren. Oder ob Antreiber Jeff Bezos stirbt und ein weniger zielstrebiger und cleverer Manager nachfolgt. Geschichte verläuft nicht linear, darauf hat schon Karl Popper hingewiesen. Besser ist deshalb der Kauf eines ETFs, wir haben drei ausgesucht.

  • Ein breit gestreuter ETF für Einsteiger
  • Ein ETF zum gezielten Investment in Ostasien
  • Ein dritter ETF, der gezielt in aussichtsreiche “Grenzmärkte” investiert

Lyxor MSCI AC Asia Ex Japan UCITS ETF Acc – WKN: LYX014O

Ostasien gilt generell als die Wachstumsregion schlechthin. Auch hier muss man natürlich bedenken: Was für die letzten 20 Jahre galt, muss nicht für die nächsten 20 gelten. Zumal viele Länder fast zu den “alten” Industrienationen aufgeschlossen oder sie sogar überholt haben. Japan ist traditionell ein Industriestaat und wird deshalb im Fonds nicht berücksichtigt. Aber auch andere Länder wie Südkorea (offizieller Name: Republik Korea) und Taiwan (offizieller Name: Republik China) haben zu Europa praktisch aufgeschlossen oder es sogar überholt, auch wenn sie in vielen Emerging Markets Fonds noch immer vertreten sind. Der Wohlstand des Stadtstaates Singapur hat den Deutschlands sogar schon längst übertroffen.

Lyxor ETF Test

Auf der Webseite von Lyxor finden sich viele Informationen zum ETF

Trotzdem glauben viele Beobachter, dass der Aufschwung noch eine ganze Weile andauern könnte. Dafür sorgen nicht nur die großen Konzerne, der neue Wohlstand führt auch zu mehr Konsum. Statt der Exportindustrie könnten Konsumgüterhersteller, Einzelhändler und Reiseveranstalter bald das große Geschäft machen.

Der ETF kann über Xetra gehandelt werden und damit über praktisch alle deutschen Broker ohne Auslandsgebühren. In den vergangenen fünf Jahren hat er rund 60 Prozent zugelegt, von April 2018 bis April 2019 rund 7,1 Prozent. Die Gesamtkostenquote beträgt moderate 0,50 Prozent, Dividenden werden reinvestiert (Thesaurierung). Allerdings erfolgt die Replikation synthetisch. Der Fonds hält also nicht zwangsläufig die im Index vertretenen Aktien, sondern zu mehr als einem Drittel US-Aktien. Deren Gewinne werden mit einem Swap-Partner getauscht, so dass die Wertentwicklung der des Index folgt (eine genauere Erläuterung des Unterschieds zwischen synthetisch und physisch replizierenden Fonds findet man hier).

Hang Seng

Hongkong ist zwar keine britische Kolonie mehr, genießt aber immer noch eine gewisse Unabhängigkeit und ist deswegen weiterhin eines der wichtigsten Handelszentren in Asien.

Hintergrund: Im Gegensatz zu Pazifik ex Japan ETFs sind hier keine australischen und neuseeländischen Firmen vertreten. Auch westasiatische Firmen finden sich nicht in den Index. Russland und die Türkei werden üblicherweise Europa zugeschlagen, auch wenn sie geographisch zum großen Teil in Asien liegen.

Bewertung:

  • Region mit hohen Wachstumsraten
  • Viele innovative Unternehmen
  • Aber: Die beste Zeit könnte in der Region schon vorbei sein

Xtrackers S&P Select Frontier Swap UCITS ETF 1C – WKN: DBX1A9

Als Grenzmärkte oder Frontier Markets bezeichnet man jene Länder, die vor einem möglichen Aufstieg zum Schwellenland stehen. Dazu gehören vor allem klassische Entwicklungsländer mit guten Aussichten, aber auch einige reiche oder zumindest wohlhabende Staaten, die aufgrund unterentwickelter Finanzmärkte weder als Industrie- noch als Schwellenländer geführt werden, beispielsweise der Oman. Auch sonst ist der Kreis der Länder sehr heterogen, er reicht von Estland im Norden bis Namibia im Süden und umfasst die Erdteile Südamerika, Afrika, Europa und Asien.

Ein Investment in diese Märkte ist besonders risikoreich, viele Staaten sind politisch wenig stabil. Allerdings sind auch die Chancen sehr hoch. Manche dieser Länder werden wahrscheinlich den Sprung zum Schwellenland schaffen und so dynamisch wachsen, wie es Südkorea oder Taiwan in der Vergangenheit getan haben. Auch unter dem Gesichtspunkt der globalen Streuung ist ein Frontier Markets ETF attraktiv, denn als einziger enthält er auch einen nennenswerten Anteil von Unternehmen aus Westasien und Afrika.

Aktuell bilden vor allem zwei Indizes die Entwicklung von Aktien aus Grenzmärkten ab, nämlich der MSCI Frontier Markets Index und der S&P Select Frontier. Letzterer wird beispielsweise vom hier vorgestellten Xtrackers ETF nachgebildet. Die Nachbildung erfolgt auch hier synthetisch (wie beim obigen Lyxor ETF), Swap-Partner ist die Deutsche Bank – Niederlassung in London. Die Gesamtkostenquote liegt mit 0,95 Prozent leider relativ hoch.

Größte Einzelposition sind die Aktien von MercadoLibre (siehe Aktienbesprechung von Amazon) vor zwei kuweitischen Banken. Die Wertentwicklung in den vergangenen fünf Jahren war eher verhalten, vom April 2018 bis April 2019 hat der ETF sogar Verluste gemacht. Es handelt sich hier um eine langfristige Investition.

Hintergrund: Der S&P Select Frontier enthält die Aktien der 40 größten und liquidesten Unternehmen aus dem S&P Extended Frontier 150. Er enthält Aktien aus folgenden Ländern: Asien: Jordanien, Kuwait, Libanon, Kasachstan, Georgien, Pakistan, Bangladesch, Oman, Bahrein, Kuweit, Vietnam, Sri Lanka, Kambodscha; Afrika: Nigeria, Elfenbeinküste, Kenia, Mauritius, Namibia, Tunesien, Sambia, Botswana, Ghana; Süd- und Mittelamerika: Argentinien, Panama; Europa: Kroatien, Zypern, Litauen, Rumänien, Bulgarien, Estland, Lettland, Slowakei, Slowenien, Ukraine.

Bewertung:

  • Ländergruppe mit viel Potential
  • Breite Streuung über verschiedene Regionen
  • Aber: Hohes Risiko, bisher verhaltene Entwicklung

Xtrackers MSCI AC World Index UCITS ETF 1C: WKN: A1W8SB

Vor alle, aber nicht nur für Einsteiger ist ein breites Investment über viele Länder hinweg attraktiv. Das geht am einfachsten mit dem MSCI All Countries World Index, oft auch als MSCI ACWI abgekürzt. Im Gegensatz zum MSCI World investiert er nicht nur in Industrieländer, sondern legt rund zehn Prozent in Schwellenländern an. Das sorgt für eine breitere Streuung. Ausgesucht werden die größten und liquidesten Unternehmen aus der Region, wie es auch andere Indizes wie der DAX tun, nur dass die Auswahl hier nicht auf Deutschland beschränkt ist. Allerdings fallen US-Aktien sehr stark ins Gewicht, schlicht weil dort die meisten Großunternehmen zu finden sind.

Von April 2018 bis April 2019 hat der MSCI All Countries World Index rund 14,9 Prozent Gewinn gemacht. Allerdings kauft man den Index nicht in erster Linie wegen seiner hohen Wertentwicklung. Denn durch die weltweite Ausrichtung hat man meist sowohl dynamische als auch schwächere Regionen im Portfolio. Vielmehr dient der Index der Risikostreuung. Wegen des hohen US-Anteils lohnt es sich allerdings, mindestens noch einen zweiten ETF mit ins Depot zu nehmen.

Der ETF von Xtrackers bildet den MSCI ACWI möglichst genau ab. Dazu kauft er die wichtigsten Aktien aus dem zugrundeliegenden Index, bildet also den Kursverlauf mit der Methode des optimierten Samplings überwiegend physisch ab. Ausgewählt haben wir ihn vor allem wegen dieser physischen Replikation, der niedrigen Gesamtkostenquote von 0,40 Prozent und der Fondswährung Euro. Außerdem wird der Fonds in Deutschland gehandelt, es fallen also keine Auslandsgebühren an.

Hintergrund: Der MSCI ACWI vereint Aktien aus allen Erdteilen (außer der Antarktis natürlich), also Nordamerika, Süd- und Mittelamerika, Afrika, Europa, Asien und Ozeanien (wobei MSCI eine andere Unterteilung der Großregionen vornimmt). Der Schwerpunkt liegt dabei natürlich Nordamerika, alleine Aktien aus den USA machen mehr als 50 Prozent des Indexgewichts aus. Zusammen mit Japan, dem Vereinigten Königreich, der Volksrepublik China und Frankreich machen die USA fast drei Viertel des Index aus.

Bewertung:

  • Sehr breite Streuung
  • Niedrige Kosten
  • Physische Replikation
  • Aber: Starkes Gewicht der USA

Warum ausländische Aktien ins Depot gehören!

Grundsätzlich haben alle Anleger eine Tendenz dazu, ihren Heimatmarkt zu bevorzugen. Das liegt vor allem daran, dass sie das Gefühl haben, den Markt besser einschätzen zu können und die Unternehmen sind ihnen so vertrauter. Sie trauen ihnen deswegen auch mehr zu. Letztlich gibt es jedoch keine Studie, die belegen würde, dass Aktien aus dem Heimatland besser sind oder Anleger bessere Kaufentscheidungen treffen. Stattdessen lassen sie sich interessante Investitionsmöglichkeiten aufgrund einer eingebildeten Kompetenz entgehen.

Es kann also für viele Anleger wesentlich sinnvoller sein, etwas über den Tellerrand zu sehen und auch in ausländische Aktien zu investieren. Hier gibt es zudem zahlreiche interessante Investitionsmöglichkeiten:

  • Die Auswahl an Blue Chips ist wesentlich größer und beschränkt sich nicht mehr auf die 30 DAX-Unternehmen
  • Viele Marktführer haben ihren Sitz in den USA oder in Ostasien
  • Bei ausländischen Aktien Nebenwerte nicht vergessen!
  • Große Unternehmen aus Schwellenländern haben oft noch deutlich größere Wachstumschancen
  • In manchen Staaten sind häufigere und großzügigere Dividendenzahlungen üblich
  • Das Risiko wird breiter gestreut, weil Staaten von Wirtschaftskrisen unterschiedlich getroffen werden

Das Beispiel Amazon macht es deutlich: In vielen Bereichen spielt aus Deutschland kein Unternehmen in der ersten Liga. Google, Amazon, Apple oder Facebook kommen aus den USA, Samsung aus Korea und Huawei aus China.

Auch das weltweite Wachstum spielt in anderen Gegenden, beispielsweise in Indien. Natürlich sind auch deutsche Unternehmen in Indien oder China aktiv – und teilweise sogar sehr erfolgreich. Aber sie erwirtschaften dort eben nur einen kleinen Teil. Und sollten in Afrika mittelfristig mehr Länder zur globalen Mittelschicht aufschließen, dann sind Unternehmen aus und Indien wie Reliance Industries wegen niedrigerer Kosten und auch wegen oft besser auf die lokalen Erfordernisse passenden Produkte klar im Vorteil.

Gerade Aktien aus Schwellen- und Entwicklungsländern gehören unter dem Aspekt der Risikostreuung mit ins Depot. Handel, Digitalisierung und Verkehr haben die Welt wirtschaftlich zusammenwachsen lassen. Aber völlig nivelliert haben sich die Unterschiede nicht. München wächst schneller als die nördliche Oberpfalz, Bayern schneller als Nordrhein-Westfalen und Deutschland stärker als Frankreich. Das muss aber nicht immer so bleiben. Wirtschaftliche und politische Krisen und eine alternde Bevölkerung können das schnell ändern. Sinnvoll ist es deshalb, sein Kapital weltweit zu verteilen.

Nachteil ausländischer Aktien

Ausländische Aktien haben vor allem drei Nachteile:

  • Die Quellensteuer
  • Das Wechselkursrisiko
  • Teilweise höhere Transaktionskosten

Die Quellensteuer

Deutschland hat inzwischen mit über 80 Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Das bedeutet, dass Anleger die Erträge aus Aktien nur in ihrem Herkunftsland besteuern müssen. Bei ausländischen Aktien und Dividenden passiert es jedoch leider sehr oft, dass die Quellensteuer bei den Erträgen bereits abgezogen ist.

Für deutsche Anleger bleibt jedoch die Abgeltungsteuer richtungsweisend. Sie wird seit 2009 auf sämtliche Kapitalerträge wie Kursgewinne und Dividenden erhoben und beträgt bis zu 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag (und gegebenenfalls Kirchensteuer). Leider sind der Quellensteuer Erstattung Grenzen gesetzt, weil maximal 15 Prozent angerechnet werden können. Allerdings beträgt die Quellensteuer in Irland 20 Prozent, in Belgien, Frankreich und den USA sogar 30 Prozent. Anrechenbar ist außerdem immer nur maximal der Satz, der auch im Inland anfallen würde. Wer keine Finanzertragsteuern zahlt oder aufgrund des niedrigeren Einkommens weniger als den pauschalen Satz von 25 Prozent, kann sich unter Umständen nichts oder nur einen Teil anrechnen lassen, bei einem Steuersatz von 10,0 Prozent also maximal 10,0 Prozent.

LandQuellensteuer in %maximal anrechenbarZusatzbelastun im günstigsten Fall
Belgien301515
Brasilienkeine--
China (ohne Hongkong und Macau)1010-
Frankreich21156
Hongkongkeine--
Indien1010-
Irlandkeine für EU-Bürger--
Italien261511
Japan1515-
Korea (Südkorea)20155
Schweiz351520
Südafrika0-1515-
Vereinigtes Königreichkeine--
Vereinigte Staaten von Amerika ohne Ermäßigung301515
Vereinigte Staaten von Amerika mit Ermäßigung15-15
Quellensteuer USA

Die Quellensteuer in den USA, in Irland und in Südafrika unterscheidet verschiedene Gruppen. In den USA beispielsweise können Kunden von Banken, die einen Vertrag mit der US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) geschlossen haben, die in Deutschland anrechenbaren 15 Prozent gleich von der Quellensteuer befreien lassen, können dann aber in Deutschland die 15 Prozent nicht mehr geltend machen. Der Anspruch lohnt sich deshalb vor allem für Anleger, die in Deutschland wegen zu niedriger Kapitalerträge ohnehin kein Kapitalertragssteuer zahlen. Ein solches Abkommen hat beispielsweise die DKB Bank geschlossen.

Quellensteuer Irland und Südafrika

Auch in Irland und Südafrika ist eine Befreiung von der Quellensteuer möglich. Südafrika befreit alle Anleger aus Ländern, die einen Kapitalertragssteuersatz von mehr als 15 Prozent erheben, also auch aus Deutschland. In Irland werden alle EU-Bürger von der Quellensteuer befreit.

So funktioniert's

Die notwendigen Adressen und Ansprechpartner stellt das Bundeszentralamt für Steuern bereit. Das Prozedere ist dabei in den unterschiedlichen Ländern deutlich verschieden. Während es in manchen Ländern reicht, einen formlosen Antrag zu stellen, fordern andere Staaten mehrere Dokumente und gestatten sich selbst eine großzügige Bearbeitungszeit. Vor allem Italien ist diesbezüglich in Verruf geraten. Gut ist es, wenn der Broker im Auftrag des Kunden den Antrag stellt.

Nicht immer lohnt sich der Arbeitsaufwand, um zu viel gezahlte Steuern zurückerstatten zu lassen. Anleger müssen immerhin so oder so die 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen. Steigt ihre Steuerlast durch die Doppelbesteuerung auf 35 Prozent, lohnt sich die Rückerstattung häufig nur dann, wenn die Aktien verkauft wurden. Bei Dividendenzahlungen sind Arbeitsaufwand und Portokosten hingegen oft so hoch, dass sich eine Beantragung schlicht nicht lohnt. Vor allem bei Differenzbeträgen, die kleiner als 100 Euro sind, lohnt es sich häufig nicht, sich mit der Erstattung zu beschäftigen. Immerhin fordern manche Staaten sogar eine gesonderte Steuererklärung, um die zu viel gezahlten Beträge zu erstatten.

Aktienerlöse versteuern

Jeder muss sich fragen, ob die erstatteten Steuern den Aufwand wert sind. Foto: Pixabay

Außerdem sollten gerade bei Aktienverkäufen im Ausland die Fristen für die Antragsstellung beachtet werden. Wer den Antrag auf Steuererstattung zu spät einreicht, verliert sein Recht auf eine Rückzahlung. Immerhin gewähren die meisten Staaten eine Frist von vier Jahren. Ähnlich lange kann eine Steuererstattung jedoch ebenfalls dauern. Zumindest das italienische Finanzamt benötigt häufig mehrere Jahre, bis das zu viel gezahlte Geld wieder beim Anleger ankommt. Die Schweizer Beamten schaffen dasselbe meist in nur wenigen Monaten.

Wie groß ist das “reale” Wechselkursrisiko wirklich

Nicht unterschätzen sollte man beim Handel mit ausländischen Aktien das Wechselkursrisiko. Der türkische Aktienmarkt hat in den vergangenen 34 Jahren jedes Jahr im Schnitt einen Gewinn von 70 Prozent gemacht. Aber nach Abzug des Wechselkursrisikos bleibt davon weit weniger übrig.

Allerdings ist das Wechselkursrisiko bei Aktien weit geringer als bei Fremdwährungskonten, wie sie beispielsweise Weltsparen oder die Consorsbank anbieten. Wechselkursverluste sind oft die Folge einer im Vergleich zu Eurozone höheren Inflation. Die treibt aber gleichzeitig auch die Börsenkurse. Oder sie sind die Folge einer wirtschaftlichen Schwäche, dann würden die Kurse aber auch ohne Fremdwährung sinken. Man sogar sagen, in einem perfekt funktionierenden Markt macht eine fremde Währung wenig Unterschiede. Aber leider funktionieren auch Märkte nicht zu 100 Prozent perfekt.

Nicht überall sind die Transaktionskosten höher

Der Kauf von Auslandsaktien kann deutlich teurer sein als der von deutschen Papieren, die Consorsbank etwa verlangt teilweise das fünffache. Andere Direktbanken bieten den Zugang zu ausländischen Märkten erst gar nicht an, schon gar nicht zu “exotischen” wie Hongkong, Johannesburg oder Mumbai (wobei die Börse von Mumbai noch immer Bombay Stock Exchange heißt, nach dem alten Namen der Stadt).

Oft braucht man aber auch gar keinen ausländischen Broker, viele Auslandsaktien werden in Deutschland gehandelt. Das senkt die Kosten und vereinfacht das Verfahren deutlich.

Schwieriger ist es, wenn die ausgesuchte ausländische Aktie ein Nebenwert ist. Dann kann es leicht passieren, dass sie entweder in Deutschland gar nicht gehandelt wird oder aber es kein Angebot gibt. Sie ist dann beispielsweise an einer deutschen Börse notiert, aber es gibt niemanden der sie aktuell verkaufen will. Somit lässt sich auch keine Aktie kaufen.

In diesem Fall sollte man einen Broker wählen, der im Ausland ähnlich günstige Bedingungen bietet wie im Inland. Das tun aktuell vor allem zwei niederländische Anbieter, nämlich Lynx und DeGiro. Zum Beispiel Hongkong: Lynx verlangt dort mit 0,15 Prozent nur geringfügig höhere Gebühren als beim Kauf eines Wertpapiers über Xetra, wo 0,14 Prozent Gebühren anfallen. Die Mindestgebühr liegt bei 25 Hongkong-Dollar (HKD), also rund 2,85 Euro. Das ist sogar weniger als die 5,80 Euro beim Xetra. Allerdings verlangt Hongkong eine Börsenumsatzsteuer, auch Stempelsteuer genannt, in Höhe von 0,1 Prozent des Umsatzes.

Die fällt auch beim Konkurrenten DeGiro an. Mit Preisen von 10,- Euro plus 0,068 %Prozent + 0,1 Prozent Stempelsteuer ist DeGiro zwar deutlich teurer als Lynx, aber immer noch günstig.

Lynx Ausland

Der Auslandshandel ist bei Lynx nicht wesentlich teurer als der im Inland.

Einfacher ist es aber, man greift gleich zu einem ETF, der mehrere Aktien aus einer Region, beispielsweise Ostasien, vereint. In diesem Falle erübrigt sich meist der Weg über eine Auslandsbörse, denn zu fast allen Regionen oder Arten von Ländern gibt es einen ETF in Deutschland.

Fazit:

Auslandsaktien gehören in jedes sinnvoll aufgestellte Portfolio. Viele ausländische Unternehmen bieten interessante Wachstumschancen. Interessenten sollten sich jedoch auch im Ausland umfassend über die Geschäftszahlen informieren – oder gleich einen breit streuenden ETF kaufen. Auch die Quellensteuer und das Wechselkursrisiko sollten Investoren bei ausländischen Aktien beachten.

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